Für viele ist das Medizinstudium ein großer Traum. Allerdings ist nicht allen wirklich klar wie die 6 1/2 Jahre Studium aufgebaut sind, welche Hürden einem bevorstehen und welche Qualitäten man dafür vorweisen sollte.

Im folgenden Artikel möchte ich Dir näher bringen, wie das Medizinstudium abläuft, welche Pflichtpraktika man während des Medizinstudiums absolvieren muss und von meinen persönlichen Erfahrungen berichten, die ich in den letzten 4 Jahren im Medizinstudium sammeln durfte.

Die Bewerbung

Um sich für einen Medizinstudienplatz in Deutschland zu bewerben, musst Du Dich online über die Stiftung von Hochschulzulassung (hochschulstart.de) bewerben. Durch die Stiftung für Hochschulzulassung werden die Medizinstudienplätze zentral vergeben. Voraussetzung für eine Bewerbung ist zunächst eine Hochschulzugangsberechtigung. Im Regelfall erreicht man die Hochschulreife durch das Abitur. In drei Quoten – Abiturbestenquote, Auswahlverfahren der Hochschulen, Wartezeitquote – werden dann die Bewerber selektiert, die das Medizinstudium antreten dürfen. Eine große Rolle bei der Auswahl spielt dabei der Numerus Clausus, d.h. die Abiturnote. Eine weitere Auswahl im Bewerbungsprozess des Medizinstudiums sind die Medizinertests wie der HAM-Nat oder der TMS. Um sich auf diese Tests bestmöglich vorzubereiten, macht es Sinn im Vorfeld einen Intensivkurs Naturwissenschaften zu absolvieren. Eine noch bessere Vorbereitung auf die Medizinertests und das folgende Medizinstudium bietet das Vorsemester Medizin.

Nähere Informationen zu Hochschulstart, der Online-Bewerbung und weitere Tipps und Tricks findest Du unter diesem Link.

Der Aufbau des Medizinstudiums

Je nach Universität unterscheidet sich der Aufbau des Medizinstudiums. Momentan können sich Bewerber zwischen 2 Studienformaten entscheiden: Dem Modellstudiengang und dem Regelstudiengang.

Die allermeisten Universitäten bieten momentan entweder den Modellstudiengang oder den Regelstudiengang an, d.h. dass Du mit Deiner Studienortwahl schon über die Studienform Deines Medizinstudiums entscheidest.

Studieren im RegelstudiengangLernen für das Medizinstudium

Der klassische Aufbau entsprechend des Regelstudiengangs wird eingeteilt in die Vorklinik und Klinik.

Im vorklinischen Ausbildungsabschnitt (1. – 4. Semester) werden naturwissenschaftliche Grundlagen und der menschliche Körper im Normalzustand gelehrt. Dies dient als Grundlage um im späteren, klinischen Abschnitt Pathologien identifizieren zu können.

Nach dem 4. Semester findet die 1. Ärztliche Prüfung, das sogenannte Physikum statt. Das Physikum gliedert sich in einen mündlichen Teil und einen schriftlichen Teil. Nach Bestehen des Physikums ist das 5. Semester erreicht und der sogenannte klinische Teil des Studiums beginnt.

Der klinischen Ausbildungsabschnitt (5. – 10. Semester) ist praxisorientiert und findet zum Teil im Krankenhaus statt.

Nach dem 10. Semester findet die 2. Ärztliche Prüfung statt, die die größte und umfangreichste Prüfung des Medizinstudiums ist. Nachdem diese große Prüfung bestanden ist, erreicht man das praktische Jahr, welches den letzen Abschnitt des Medizinstudiums darstellt.

Studieren im Modellstudiengang

Der Modellstudiengang kann je nach Studienort unterschiedlich ausgelegt sein. Gemeinsam haben die reformierten Studiengänge jedoch eins: Der Fokus liegt auf einer praxisorientierten Lehre, die den Studierenden schon früh an Patientenkontakt und Klinik gewöhnt.

In den meisten Modellstudiengängen ist die Lehre in thematische Blöcke, sogenannte “Module” unterteilt. Gelehrt wird im Modellstudiengang nicht nach Fächern, sondern nach Organsystemen oder Themenkomplexen. Die Semester können daher nicht mehr in Vorklinik und Klinik unterteilt werden, da nun diese beiden Bereiche vereint sind in den “Modulen”.

Die Modulreihenfolge ist so konzipiert, dass in den ersten beiden Semestern die Grundlagen besprochen werden und erst in späteren Semester komplexe Erkrankungsbilder gelehrt werden. Man hat ab dem ersten Semester Patientenvorstellungen und Untersuchungskurse. Der Präperierkurs beginnt mit dem 3. Semester. Das im Regelstudiengang übliche Physikum, welches nach dem 4. Semester abgeleistet werden muss, fällt an einigen Universitäten im Modellstudiengang weg.

Der Modellstudiengang dauert genauso wie der Regelstudiengang um die 12 – 13 Semester.

Das Krankenpflegepraktikum

Das 3-monatige Krankenpflegepraktikum gehört zur ärztlichen Ausbildung und ist der erste Einsatz in der Klinik. Jeder Medizinstudent muss für die Anmeldung zur 1. Ärztlichen Prüfung (das sogenannte Physikum) einen Nachweis über das Praktikum vorlegen. Das Praktikum kann entweder in der vorlesungsfreien Zeit, in einem Urlaubssemester oder vor Studienbeginn abgeleistet werden.

Zwar hast Du im Pflegepraktikum recht viel mit den Krankenschwestern und Pflegern und weniger mit den Ärzten zu tun, dennoch kannst Du während des Praktikums schon viele praktische Fertigkeiten erlernen wie z.B. Blutabnehmen, körperliche Untersuchung, Wundreinigung und vieles mehr.

Das Pflegepraktikum soll den Medizinstudierenden die Grundlagen der Pflege näher bringen und langfristig die spätere Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Pflege verbessern. Auch wenn es zum Teil Tätigkeiten sind, die man im späteren Arztberuf nicht unbedingt machen muss, ist es sinnvoll zu wissen womit die Krankenschwestern und Pfleger tagtäglich zu tun haben.

Die Famulaturen

Logo Medizinstudium

Die Famulatur ist ein durch die Approbationsordnung für werdende Ärzte vorgeschriebenes Praktikum, welches 4 Monate dauert. Die 4 Monate müssen wie folgt absolviert werden:

  • 2 Monate im Krankenhaus
  • 1 Monat in einer Arztpraxis oder ambulanten Einrichtung
  • 1 Monat in einer Hausarztpraxis

Die Famulatur ist zwischen der 1. und 2. Ärztlichen Prüfung abzuleisten, d.h. zwischen Physikum (4. Semester) und dem großen Staatsexamen (10. Semester).

In der Famulatur ins insgesamt viel Eigeninitiative gefragt. Man kann die Famulatur “absitzen” oder sich ins Team integrieren und viel lernen. Sinnvoll ist es, mit der Hausarztfamulatur zu beginnen, um dort in einem entspannten Umfeld die Basis-Fähigkeiten zu erlernen. Im Krankenhaus kann es manchmal ganz schön hektisch werden und vor allem in Unikliniken haben die Ärzte nicht immer viel Zeit. Kleinere Kliniken bieten daher den Vorteil, dass die Famulatur individueller betreut werden kann. Der Vorteil einer Famulatur in der Uniklinik Wiederrum ist das breite und spannende Spektrum an Fällen.

Zudem bieten Famulaturen eine hervorragende Möglichkeit ins Ausland zu gehen. Von Bali bis London kann man überall famulieren – informiere Dich aber vorher, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um die Famulatur anerkannt zu bekommen.

Hier noch ein paar Tipps, wie Du bei der Famulatur ganz einfach punkten kannst:

  1. Stelle Dich immer bei allen Mitarbeiten vor.
  2. Trage einen ordentlichen Kittel mit Namensschild.
  3. Stelle Fragen und zeige Interesse!
  4. Frage nach Aufgaben.
  5. Famuliere in unterschiedlichen Fächern, auch wenn Du schon fachliche Präferenzen hast.

Das Praktische Jahr

Das praktische Jahr (PJ) ist das letze Jahr des Medizinstudiums. Es ist gegliedert in 3 Ausbildungsabschnitte mit jeweils 16 Wochen. Folgende Fächer müssen in den sogenannten “Tertialen” abgeleistet werden:

  • Innere Medizin
  • Chirurgie
  • Wahlfach

In diesem Abschnitt des Studiums sollen die ärztlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vertieft und erweitert werden. Es ist der Einstieg in den Beruf. Dazu werden unter Anleitung, Aufsicht und Verantwortung des auszubildenden Arztes ärztliche Aufgaben verrichtet. Das praktische Jahr wird in den Großstädten üblicherweise nicht bezahlt.

Wer sich im PJ gut schlägt, wird häufig direkt von der Station als Assistenzarzt übernommen. Daher bietet das PJ einer super Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und damit an Deinen Traumjob in Deiner Traumklinik zu kommen.

Die 2. und 3. Ärztlichen Prüfungen

Der 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung ist das sogenannte schriftliche Staatsexamen, auch “Hammerexamen” genannt. Das Staatsexamen ist die größte Prüfung des gesamten Medizinstudiums und rekapituliert alle klinischen Fächer, die das Medizinstudium beinhaltet. Um sich für die Prüfung vorzubereiten, ist der sogenannte 100-Tage Lernplan vorgesehen. Die Prüfung besteht, wie die meisten Prüfungen in der Medizin aus Multiple Choice Fragen, die vom Institut für medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen erarbeitet werden.

Der 3. und letzte Abschnitt der Ärztlichen Prüfung ist eine mündliche Prüfung und wird nach dem praktischen Jahr (PJ) absolviert. Die Prüfung wird von den medizinischen Fakultäten organisiert und ist sehr praxisorientiert. Dort kannst Du nochmal zeigen, was Du alles im PJ gelernt hast!

Die Promotion

Mit Abschluss des Medizinstudiums ist man zwar Arzt, hat aber keinen Doktortitel. Da für viele der Grad des Doktor der Medizin zum Arzt-Sein dazu gehört, promovieren viele Medizinstudenten schon während Ihres Studiums. Eine medizinische Promotion dauert meinst ca. 2 – 3 Semester bei einer Vollzeitpromotion oder 4 – 5 Semester, wenn die Promotion parallel zum Studium durchgeführt wird. Momentan promovieren ca. 66% der Humanmediziner.

Das FazitDer lange Weg durchs Medizinstudium

Das Medizinstudium ist nicht immer einfach, man muss viele schwierige Klausurphasen und anstrengende Praktika absolvieren und auch der spätere Beruf wird sicherlich kein Zuckerschlecken. Dazu kommt noch die Doktorarbeit, die viele Studierende zusätzlich auf sich nehmen. Dennoch würde ich es immer wieder machen und es jedem empfehlen, der davon träumt irgendwann als Arzt Menschen zu helfen und zu heilen. Das schönste am Studium sind die guten Freunde und netten Kommilitonen die man auf seinem Weg kennenlernt und mit denen man alles zusammen durchstehen kann. Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.

Zu den wichtigsten Qualitäten, die man aufweisen sollte ist Durchhaltevermögen, Leistungsbereitschaft und ein starker Wille. Eine Regelstudienzeit von 12 – 13 Semestern ist recht lang, aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich der lange harte Weg irgendwann auszahlen wird.

Wenn Medizin Deine Leidenschaft ist, wirst auch Du es schaffen. Da habe ich keinen Zweifel.

Lisa-Marie ist 24 Jahre alt und studiert Humanmedizin im 9. Semester an der Charité Berlin. Neben ihrem Medizinstudium arbeitet sie als freie Bloggerin für Prometheus und ist Expertin auf den Gebieten Medizinertests, Modell- und Regelstudiengängen sowie Bewerbungen aus dem Ausland.