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Es ist die altbekannte Frage:

Wie komme ich am besten an einen Studienplatz für Humanmedizin, wenn mein Abiturdurchschnitt voraussichtlich keine 1 vor dem Komma stehen hat?

Neben der Wartezeitquote, dem Medizinstudium im Ausland oder einem Medizinstudium bei der Bundeswehr gibt es noch eine weitere Möglichkeit, mit dem Studium zu beginnen.

Privatuniversitäten in Deutschland

Viele bewerten das Studium an einer Privatuniversität als äußert kritisch. Sie befassen sich meist gar nicht genauer mit den Aufnahmebedingungen, da die oftmals hohen Studiengebühren bereits ein Ausschlusskriterium darstellen. Die Annahme, einen Studienplatz an einer Privatuniversität erkaufen zu können, ist allerdings ein Trugschluss.

Nicht selten durchlaufen die Bewerber ein sehr aufwendiges Auswahlverfahren. Im folgenden fasse ich zusammen, an welchen Privatuniversitäten Du in Deutschland studieren kannst und welche Kriterien Du für die jeweilige Privatuniversität erfüllen musst, um Dich erfolgreich bewerben zu können. Ebenso erfährst Du, welche Vorteile und welche Risiken ein Studium an einer Privatuniversität birgt.

Medizin studieren an 5 Privatuniversitäten 

In Deutschland gibt es derzeit 5 Privatuniversitäten, für die Du Dich bewerben kannst. Die Attraktivität für die Bewerbung an einer solchen Universität besteht vor allem darin, dass der Abiturdurchschnitt nicht so stark ins Gewicht fällt. Vielmehr werben die Privatuniversitäten damit, das Auge auf die Persönlichkeit und den Werdegang des Bewerbers zu richten. Allerdings werden trotzdem einige Bedingungen vorausgesetzt, die es zu erfüllen gilt, bevor man sich erfolgreich bewerben kann. Außerdem bieten einige der im folgenden aufgezählten Universitäten das Medizinstudium nur in Kooperation mit Universitäten aus dem Ausland an.

Kassel School of Medicine

Allgemeine Information

  • Verfügbar seit 2013
  • 24 aufgenommene Studenten pro Jahr
  • 5 Jahre Studienzeit
  • Studienort: Kassel und Southhampton (für die ersten zwei Jahre und für die Prüfungen)
  • Sprache: Englisch/Deutsch
  • Kosten: 60.000 Euro
  • Vorteile
    • Titel Bachelor of Medicine
    • Bachelor of Surgery (inklusive den im Studium integrierten Bachelor of Medical Science)
    • Unterstützung bei der Finanzierung des Studiums wird angeboten
  • Nachteile
    • Approbation muss zunächst beantragt werden!

Kriterien für die Bewerbung

  • Volljährigkeit
  • Abitur von 1,6 oder schlechter bei abgeschlossenem Vorsemester
  • Chemie oder Biologie als Leistungsfach / Prüfungsfach mit Nachweis über mindestens 11 Punkte der letzten beiden Schuljahre (oder mindestens eine 2 bis Jahrgangsstufe 10)
  • abgeschlossener TMS Medizinertest
  • Motivationsschreiben
  • Englisch als Leistungsfach / Prüfungsfach mit mindestens 11-15 Punkten (oder Nachweis über den Besuch einer ausschließlich englisch sprachigen Schule oder IELTS Sprachtest mit mindestens einer 7,0)
  • 8 Wochen Pflegepraktikum
  • polizeiliches Führungszeugnis

Fazit

Gerade für englischsprachig aufgewachsene Bewerber wäre die Kassel School of Medicine eine Überlegung wert. Allerdings muss damit gerechnet werden, dass die ersten zwei Jahre der Ausbildung in Southhampton stattfinden. Ebenfalls werden dort alle größeren Prüfungen absolviert. Die Studiendauer von 5 Jahren muss relativ betrachtet werden. Nach Abschluss des Studiums muss zunächst ein Antrag für eine Abschlussbescheinigung gestellt werden, welcher einem die Teilnahme an einem sogenannten Foundation Programme gewährt. Dieses findet 1 Jahr lang statt und beinhaltet eine Einführung in den Berufsalltag unter Kontrolle eines Mentors. Erst nach Abschluss dieses Programms kann die Approbation beantragt werden, das die Zeit auf insgesamt 6 Jahre bis zum Erhalt verlängert.

Asklepios Campus Hamburg/Universität Ungarn

Allgemeine Information

Um am Asklepios Campus Hamburg studieren zu können, müssen zunächst 2 Jahre Vorklinik in Ungarn absolviert werden. Die allgemeinen Informationen beziehen sich auf die Privatuniversität in Hamburg!

  • Verfügbar seit 2008
  • 60 aufgenommene Studenten pro Jahr (zum 5. Semester)
  • 5 Jahre Studienzeit
  • Studienort: Zunächst Universität Semmelweis Budapest, dann erneute Bewerbung für Hamburg
  • Sprache: Deutsch (auch in Ungarn)
  • Kosten: 7.800 Euro pro Semester
  • Vorteile
    • Komplett auf Deutsch
    • Praxis bezogener Studiengang
    • Unterstützung bei der Finanzierung des Studiums wird angeboten
  • Nachteil
    • Studium kann nicht direkt in Deutschland begonnen werden

Kriterien für die Bewerbung

Kriterien für die Semmelweis Universität in Budapest:

  • Frist für die Bewerbung in Ungarn: 31. Mai des Studienjahres
  • Ausgefülltes Anmeldeformular mit Passbild
  • beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses
  • tabellarischer Lebenslauf
  • Motivationsschreiben
  • Personalausweis oder Reisepass (Kopie)
  • aktuelles körperliches Attest (nicht älter als 3 Monate alt)
  • falls vorhanden, Nachweise für Praktika oder Studiennachweise über naturwissenschaftliche Fächer
  • 200 Euro Bewerbungsgebühr (weitere 200 Euro Immatrikulationsgebühr)
  • begünstigte Aufnahmefaktoren
    • unter  30 Jahre alt
    • Abitur stark naturwissenschaftlich ausgerichtet
    • Vorbereitungskurs/Vorsemester
    • Tätigkeit im Gesundheitswesen

Kriterien für die Privatuniversität in Hamburg:

  • Notendurchschnitt Physikum
  • Notendurchschnitt Anatomie, Physiologie, Biochemie
  • erworbene Credit Points
  • Jahr der Erstimmatrikulation
  • medizinische Vorerfahrung
  • besonderes Engagement
  • zusätzliche Praktika

Fazit

Ein großer Vorteil für den Asklepios Campus Hamburg bzw. das korrespondierende Studium an der Privatuniversität in Ungarn ist, dass das Studium komplett auf Deutsch unterrichtet wird. Allerdings ist es erfahrungsgemäß alles andere als einfach, nach Hamburg wechseln zu können. Da die Physikumsnote und die Noten einzelner Fächer ebenfalls eine Rolle bei der Bewerbung für einen Wechsel stehen, können die ersten 2 Jahre aufgrund des hohen Drucks sehr anstrengend werden. Es geht nicht nur um das Bestehen, sondern um das Erreichen der bestmöglichen Noten.

Paracelsus Universität Nürnberg

Allgemeine Information

  • Seit 2014 Aufnahme in Nürnberg
  • 50 aufgenommene Studenten pro Jahr (in Nürnberg)
  • 75 aufgenommene Studenten pro Jahr (in Salzburg)
  • 5 Jahre Studienzeit
  • Studienort: Nürnberg/Salzburg
  • Sprache: Deutsch
  • Kosten: 13.500 Euro pro Studienjahr
  • Vorteile
    • Erhalt des Titels Dr. med. univ” durch ein eingebautes Trimester im 4. Studienjahr
    • Unterstützung bei der Finanzierung des Studiums wird angeboten (z.B. umgekehrter Generationsvertrag)
  • Nachteile
    • Teilnahme an der Prüfung für die amerikanische Zulassung ist verpflichtend

Kriterien für die Bewerbung

Die Bewerbung für die Paracelsus Privatuniversität ist nur 2x möglich. Die Unterlagen werden online verschickt!

  • tabellarischer Lebenslauf mit Lichtbild
  • beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses
  • Zeugnisse der letzten zwei abgeschlossenen Schuljahre (die schulischen Noten müssen umgerechnet werden, da Österreich über ein anderes Notensystem verfügt)
  • Motivationsschreiben
  • besonders gute Deutsch- und Englischkenntnisse
  • kleines Latinum
  • Biologieunterricht bis Ende der 12. Klasse
  • 4 wöchiges Praktikum

Anschließend wirst Du zu einem schriftlichen Test in Salzburg eingeladen, der ca. 5 fünf Stunden dauert. Solltest Du Dich dann unter den besten 300 Bewerbern befinden, wirst Du zu einem 1-stündigen Interview an Deinem gewünschten Studienort eingeladen.

Privatuniversität Witten/Herdecke

Allgemeine Informationen

  • Verfügbar seit 1983
  • 42 aufgenommene Studenten pro Semester
  • 6 Jahre und 3 Monate Studiendauer
  • Modellstudiengang
  • Studienort: Deutschland
  • Sprache: Deutsch
  • Vorteile
    • NC-frei
    • Unterstützung bei der Finanzierung des Studiums wird angeboten (z.B. umgekehrter Generationsvertrag)
  • Nachteile
    • Sehr viele Bewerber auf wenig Plätze, strenge Aufnahmekriterien

Kriterien für die Bewerbung

  • Bewerbungsfrist für das Sommersemester: 15. Juli
  • Bewerbungsfrist für das Wintersemester: 15. Februar
  • Kopie des Abiturzeugnisses
  • handgeschriebener, tabellarischer Lebenslauf mit Foto
  • ausführlicher Lebenslauf (abgetippt)
    • Werdegang
    • Motivation für das Medizinstudium
    • Entscheidung für Witten/Herdecke
  • 6-monatiges Krankenpflegepraktikum

Anschließend wirst Du dazu aufgefordert, eine Aufgabe schriftlich zu lösen und einzusenden, bspw.:

  • Gibt es unter Umständen ein Recht, vielleicht sogar eine Pflicht zu lügen?
  • Darf Medizin eine Dienstleistung sein?
  • Welchen Sinn birgt das Pflegepraktikum?
  • Freiheit und Disziplin: In welcher Beziehung stehen sie zueinander?

(Aufgabenstellung Wintersemester 2018/19 Universität Witten/Herdecke)

Solltest Du die Aufgaben erfolgreich meistern, wirst Du zu einem sogenannten Auswahlwochenende eingeladen. Dort werden Auswahlgespräche geführt und getestet, ob Deine Persönlichkeit zur Universität passt.

Fazit

Gerade da diese Privatuniversität komplett unabhängig vom Abiturdurschnitt auswählt, ist der Andrang der Bewerbungen hier besonders hoch und das Auswahlverfahren keine leichte Hürde. Empfehlenswert und einen positiven Eindruck hinterlässt man jedoch, wenn man bereits an einem offiziellen Informationstag teilgenommen hat, für den man sich vorher anmelden muss. Im Zuge der Bewerbung kann eingesehen werden, ob man dort gewesen ist.

Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB)

Allgemeine Informationen

  • Verfügbar seit 2015
  • 48 aufgenommene Studenten pro Jahr
  • 6 Jahre und 3 Monate Studendauer
  • Studienort: Campus Neuruppin (Ruppiner Kliniken), Campus Brandenburg an der Havel (Städtisches Klinikum Brandenburg)
  • Sprache: Deutsch
  • Kosten: 115.000 Euro
  • Vorteile
    • Teilweise große finanzielle Unterstützung
    • Annahme zum Sommer- und Wintersemester
  • Nachteile
    • Dadurch resultierende fünfjährige Verpflichtung in diesem Krankenhaus (Bei Inanspruchnahme finanzieller Unterstützung)

Kriterien für die Bewerbung

  • Bewerbungsfrist: 04. September 2018
  • Bewerbung per E-Mail und postalisch
    • beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses
    • tabellarischer Lebenslauf
    • Nachweis eines sechsmonatigen Praktikum im Gesundheitswesen
      • davon 3 Monate im Krankenpflegedienst nach Approbationsordnung
      • die Hälfte der Praktikumszeit muss vor Studienbeginn absolviert werden
    • Motivationsschreiben
  • Ausarbeitung zu einer Aufgabenstellung
  • Bearbeitungsgebühr von 150 Euro

Vorteile, Nachteile, Risikos

Hier findest Du einen zusammenfassenden Überblick über die Vor- und Nachteile einer Privatuniversität:

VorteilNachteil
Kaum bis gar keine Berücksichtung des AbiturdurchschnittsFinanzielles Risiko
Wenig Studierende pro Semeser/Jahr, dadurch produktive LernumgebungSehr schweres und detailliertes Aufnahmeverfahren
Oftmals Studienbeginn zum Sommer- und WintersemesterEventuelle Verpflichtung bei Inanspruchnahme finanzieller Unterstützung
Oftmals international orientiertGegebenenfalls zeitweilige Aufenthalte im Ausland
Gute Ausstattung der RäumlichkeitenStudium nicht selten in Kombination einer Fremdsprache

Fazit

Das Medizinstudieren an einer Privatuniversität ist vor allem in Hinsicht auf die deutlich verminderte Rücksicht auf den Numerus Clausus eine attraktive Alternative. Trotz der zahlreichen Möglichkeiten und der unterstützenden Arbeit der jeweiligen Universität was die Finanzierung des Studiums angeht, birgt es jedoch ein gewisses Risiko und kann im Zweifel zu einer hohen Verschuldung schon im jungen Alter führen. Du solltest Dir also vorher auf jeden Fall im Klaren sein, dass Du unbedingt Medizin studieren möchtest und dies anhand verschiedener Praktika selbst für Dich herausfinden und noch einmal festigen.

Es ist nach wie vor nichts Neues. Um einen Studienplatz für Medizin in Deutschland zu erhalten, wird ein besonders gutes Abitur vorausgesetzt. Doch was nun, wenn der NC nicht gerade 1,0 beträgt? Was nun, wenn nicht einmal eine Eins vor dem Komma steht und somit eine Einladung zu diversen Aufnahmetests wie z.B. dem HAM-Nat quasi nahezu unmöglich wird? Einige stellen sich der langen Wartezeit und überbrücken diese mit einer Ausbildung, andere absolvieren ein Studium an einen der wenigen privaten Universitäten in Deutschland und andere gehen direkt ins Ausland. Eine Möglichkeit das ersehnte Studium aufzunehmen stellt jedoch auch die Bundeswehr dar, doch ist sie mit ihren neben dem Studium noch diversen anderen Pflichten eine ernsthafte Alternative?

Bewerbung bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr erhält aus 10.000 Studienplätzen in Deutschland insgesamt 250 zur eigenen Vergabe. Diese werden dann auf die verschiedenen Hochschulen aufgeteilt. Dies bedeutet auch, dass das Studium an sich an einer ganz “normalen” Universität absolviert wird. Dazu jedoch später mehr. Auf diese 250 Plätze bewerben sich ca. 1300 Anwärter.

Wie relevant ist der Abiturdurchschnitt für eine Zulassung?

Das lässt sich nicht so einfach sagen, doch Erfahrungsberichten zufolge ist es auch noch möglich mit einem Durchschnitt von ca. 2,5 einen Platz zu erhalten, sofern man im eigenen Auswahlverfahren der Bundeswehr exzellent abschneidet.

Wichtig: Solltest Du eine Zulassung erhalten und Dein Medizinstudium bei der Bundeswehr antreten, verpflichtest Du Dich inklusive Studium für 17 Jahre! (6 Jahre Studium + 11 Jahre Dienst).

Für das Medizinstudium bei der Bundeswehr steht den Bewerbern auch eine kostenlose Beratung online zur Verfügung!

Benötigte Unterlagen

Prinzipiell findest Du alle Informationen, sowie Downloads auf der Internetseite der Bundeswehr. Doch hier einmal die grundlegenden Unterlagen im Überblick:

  • Bewerbungsbogen (als Download verfügbar)
  • Zusatzbogen (als Download verfügbar)
  • Lebenslauf
  • Geburtsurkunde
  • optional ein Passfoto
  • Nachweis über Schulabschluss (oder letztes Zeugnis)

Das Auswahlverfahren

Solltest Du eine Einladung zum Auswahlverfahren erhalten, geht es für Dich zur Offiziersbewerberprüfungszentrale nach Köln.

Hier musst Du Dich in einem 3-tägigen Auswahlverfahren beweisen. Dich erwarten folgende Tests:

 

  • Computer-Eignungstest (Logik, Mathematik usw.)
  • Sporttest (11 x 10m Sprint, Klimmhang und Ausdauer)
  • Gruppendiskussionen und ein Kurzvortrag
  • Ärztliche Begutachtung
  • Eignungsgespräch mit einem Psychologen und Offizier

Die Einzelleistungen der Tests werden anschließend zusammengerechnet und ergeben Deine Gesamtpunktzahl, welche darüber entscheidet ob Du eine Zulassung erhälst oder nicht. Wie Du Dich am besten auf Tests vorbereitest, erfährst Du ebenfalls unter anderem auf der offiziellen Internetseite der Bundeswehr.

Wichtig ist jedoch, dass Du Dir im Klaren sein solltest, dass die Bundeswehr Dich besonders im Einzelgespräch prüft, ob Du das Studium aus eigener Überzeugung antrittst und nicht nur deshalb, weil Du über Deine Durchschnittsnote keinen “zivilen” Studienplatz erhalten hast.

Studium und Laufbahn bei der Bundeswehr

Das Medizinstudium bei der Bundeswehr birgt Vor- und Nachteile (Wobei diese natürlich individuell als Vor- oder Nachteil bewertet werden). Diese resultieren vor allem aus Rechten und Pflichten, die Du erhälst, solltest Du Dich für 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten wollen. Im Laufe Deiner Weiterbildung bist Du also unterschiedlich stark gebunden. Hast Du eine Zusage für das Studium bei der Bundeswehr erhalten, bedeutet das nämlich nicht gleich, dass Du Dir Deinen Wohnort und Deine Hochschule aussuchen kannst. Allerdings kann sich ein äußerst gutes Testergebnis im Auswahlverfahren positiv auf Deinen Einfluss was die Entscheidung angeht auswirken.

Vor dem Studium

Vor dem Studium wird eine dreimonatige Grundausbildung absolviert. Mit der Verpflichtung bei der Bundeswehr bekommst Du zwar das Recht Medizin zu studieren, hast aber ebenfalls die Pflicht eine Offizierslaufbahn zu beginnen. Du wirst also ebenfalls auch zu einem Soldaten ausgebildet, der durchaus häufig im Inland als auch ins Ausland versetzt werden kann.

Während des Studiums

Da wie gesagt 250 Plätze aus den 10.000 Studienplätzen in Deutschland von der Bundeswehr verteilt werden, absolvierst Du ein ziviles Studium, dass heißt an einer ganz normalen Universität mit Studierenden die über den Notendurchschnitt einen Platz erhalten haben.

In diesen 6 Jahren bietet Dir die Bundeswehr…

  • eine Befreiung vom Dienst
  • eine Unterkunft
  • einen Lohn im ersten Studienjahr von ca. 1600 Euro netto

In diesen 6 Jahren erwartet die Bundeswehr von Dir…

  • den Studienabschluss (also das Einhalten der Regelzeit!)
  • das Absolvieren von Praktika in den Semesterferien
  • das Absolvieren von Lehrgängen in den Semesterferien

Nach dem Studium

Deine Rolle bei der Bundeswehr

Nach dem Studium kann es durchaus vorkommen, dass Du Auslandsaufenthalte wahrnehmen musst oder im Inland versetzt wirst. Ebenso bist Du nicht von den Rechten und Pflichten eines Soldaten befreit, sondern kannst durchaus in einigen Fällen zur Waffe gerufen werden. In diversen Foren wird deshalb der Begriff des “Sanitätsoffiziersanwärter” mit dem eines Arztes verglichen und ausdiskutiert. Denn bei der Bundeswehr wirst Du zu ersterem ausgebildet und bist und bleibst damit auch zu einem gewissen Teil ein Soldat.

Facharztweiterbildung

Ob und welchen Facharzt Du machst, hängt größtenteils nicht von Deiner Präferenz bzw. Entscheidung ab. Viel mehr wirst Du zu dem ausgebildet, was besonders benötigt wird. Logischerweise fällt dieses vor allem in den Bereich der Intensiv- bzw. Notfallmedizin. Lediglich mit überaus guten Leistungen während des Studiums können Dir mit Glück Pluspunkte zugesprochen werden, was Dir mehr Entscheidungsrecht geben könnte.

Aussteigen aus der Bundeswehr nach abgeschlossenem Studium

Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Eine der wenigen Möglichkeiten wäre eventuell sich frei zukaufen, was jedoch durchaus kompliziert und auch nicht gerade wahrscheinlich ist, ansonsten benötigst Du ein psychologisches Gutachten um die Bundeswehr verlassen zu können. Letztendlich bildet Dich die Bundeswehr zu ihrem Dienste aus, welchem Du auch zustimmst, wenn Du Dich für 17 Jahre verpflichtest. Deshalb sollte Deine Intention nicht das Medizinstudium bei der Bundeswehr mit dem Gedanken sein, sich danach irgendwie aus dem Vertrag entziehen zu können.

Vor- und Nachteile des Studiums bei der Bundeswehr

Was für Dich ein Vorteil und was Nachteil ist, kannst nur Du entscheiden. Die in diesem Artikel angesprochenen Punkte sind vor allem Fakten bzw. Situationen, die auf Dich zu kommen, solltest Du Dich wirklich für ein Medizinstudium bei der Bundeswehr interessieren. Im Folgenden fasse ich Dir noch einmal Vor- und Nachteile in einer Tabelle zusammen, die für die meisten zutreffend sind.

VorteileNachteile
Abiturnote für Zulassung nicht so stark gewichtet17 Jahre Verpflichtung
Bewerber pro Platz vergleichbar mit anderen UniversitätenWenig Entscheidungskraft über Wohnort
Keine WartezeitWenig Entscheidungskraft über Universität
Unter anderem ziviles StudiumHoher Druck während des Studiums (Regelstudienzeit)
Befreiung vom Dienst während des StudiumsStändiger Wohnortwechsel ist eher die Regel als die Ausnahme
Finanzielle UnterstützungAuslandseinsätze wahrscheinlich
Jobsicherheit nach dem StudiumWenig Entscheidungskraft bezüglich Facharztwahl
Verpflichtende Offiziersausbildung (Ausbildung ebenfalls zum Soldaten)

Fazit

Ob Du Dich für ein Medizinstudium bei der Bundeswehr bewerben möchtest/solltest, kannst nur Du entscheiden. Dir sollte aber durchaus bewusst sein, dass nicht immer nur medizinische Qualitäten von Dir abverlangt werden können. Wenn Du flexibel bist und für Dich persönlich die Vorteile überwiegen, bzw. einige Nachteile nicht sonderlich ins Gewicht fallen, könnte die Bundeswehr eine Alternative für Dich sein. Allerdings würde ich Dir nicht empfehlen, das Studium der Bundeswehr lediglich als Sprungbrett wahrzunehmen oder aufgrund der finanziellen Attraktivität in Betracht zu ziehen. Die Entscheidung sollte vielmehr durch Deine persönliche Motivation bzw. Überzeugung für die Bundeswehr arbeiten zu wollen, gefällt werden.

Bei der Bewerbung für das Medizinstudium dreht sich vieles um die Abiturnote. In diesem Zusammenhang tritt stets immer wieder die Diskussion darüber auf, in welchem Verhältnis die Kompetenz eines zukünftigen Arztes mit dem Erhalt eines 1-er Abiturs steht. Diese Frage ging letztendlich bis vor Gericht, weshalb laut aktuellen Stand die Hochschulen dazu verpflichtet sind, bis Ende 2019 ihr Auswahlverfahren zu überarbeiten. In welcher Form diese Veränderungen jedoch genau umgesetzt werden sollen, steht derzeit noch in den Sternen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel jedoch ein Auswahlgespräch, welche auch die Persönlichkeit des Bewerbers und nicht nur eine Abiturnote oder ein Testergebnis berücksichtigt. Bei einigen Universitäten sind sie bereits fester Bestandteil des Auswahlverfahrens. Wie sie ablaufen, was sie von Dir abverlangen und wie Du Dich am besten auf sie vorbereitest, erfährst Du in diesem Blog.

Welche Universitäten nutzen Auswahlgespräche als Kriterium?

Die Auswahlverfahren der medizinischen Fakultäten können sich von Jahr zu Jahr ändern. Deswegen empfehle ich Dir zusätzlich auf der Seite Hochschulstart Informationen von Universitäten einzusammeln, welche Dich interessieren. Einen Überblick verschaffe ich Dir hier.

  • Technische Universität Dresden
  • Universität Duisburg-Essen
  • Medizinische Hochschule Hannover
  • Georg-August-Universität Göttingen
  • Universität Hamburg (HAM-Int)
  • Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
  • Universität Lübeck
  • Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Universität Rostock

Wichtig ist jedoch, dass einige Universitäten wiederum bestimmte Voraussetzungen von Dir verlangen, um überhaupt zum Auswahlgespräch eingeladen zu werden.
Bedingungen sind zum Beispiel:

  • Abiturnote
  • Berufserfahrung
  • Belegte Fächer in der Oberstufe

Auch einige private Hochschulen nutzen das Auswahlgespräch als Kriterium. Unter anderem:

  • Medizinische Hochschule Brandenburg (Neuruppin)
  • Nürberg Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU)
  • Kassel School of Medicine
  • Universität Witten/Herdecke

Wie ist das Auswahlgespräch/Multiple Mini Interviews aufgebaut?

Auswahlgespräche

Im Gegensatz zu einem Auswahltest verlangt ein Auswahlgespräch in der Regel kein Fachwissen von Dir ab. Du musst also kein medizinisches Fachwissen vorweisen und anfangen Bücher über Unfallchirurgie lesen. Viel mehr ist es das Ziel herauszufinden, was für ein Mensch Du bist, weshalb Du Dich für das Medizinstudium entschieden hast, sprich Deine Motivation, was Deine Ziele sind und wie Du in verschiedenen Situationen reagierst. Dabei kann es sein, dass Du ein Einzelgespräch mit einem “Prüfer” führst, oder ein Auswahlkomitee von mehreren Personen vor Dir sitzt.

Motivation

Folgende Fragen könnten Dir beispielsweise bezüglich Deiner Motivation gefragt werden:

  • Wieso haben Sie sich speziell für Humanmedizin entschieden?
  • Seit wann wissen Sie, dass Sie Medizin studieren möchten?
  • Gab es ein Schlüsselereignis, was Sie zu Ihrer beruflichen Entscheidung geführt hat?
  • Wieso haben Sie sich für unsere Hochschule entschieden?
  • Wissen Sie, wie das Studium an dieser Hochschule abläuft?
  • Gibt es bereits einen Fachbereich, der Sie interessiert?

Diese Fragen zielen gemeinsam mit Fragen bezüglich Deiner bereits gesammelten medizinischen Erfahrung darauf ab, herauszufinden, ob Du Dich wirklich mit Deinem Berufswunsch auseinander gesetzt oder gestern Morgen aufgestanden bist und spontan entschieden hast, Humanmedizin studieren zu wollen.

Vorkenntnisse und Erfahrung im medizinischen Bereich

Wie bereits beschrieben hilft es Dir, wenn Du Dein Interesse für das Fach mit bereits gesammelter Erfahrung untermauern kannst. Einen positiven Eindruck hinterlässt Du natürlich besonders dann, wenn Du sogar schon berufliche Erfahrung in Form einer abgeschlossenen Berufsausbildung im medizinischen Bereich vorweisen kannst. Wartezeit solltest Du deshalb zum Beispiel immer nutzen, um Erfahrungen zu sammeln und somit auch Deinen Lebenslauf zu füllen.

  • FSJ (Freiwilliges soziales Jahr)
  • Pflegepraktikum
  • Berufsausbildung im medizinischen Bereich
  • Vorsemester Medizin
Pflegepraktikum

Besonders empfehlenswert ist es bereits ein Pflegepraktikum zu absolvieren, da Du im Falle dessen, dass Du einen Studienplatz erhalten solltest, ohnehin innerhalb der ersten zwei Studienjahre insgesamt 3 Monate Pflegepraktikum vorweisen musst. Diese kannst Du jedoch bereits vor dem Studium (jedoch nach dem Abitur!) machen und sie trotzdem als Referenz in einem Auswahlgespräch nutzen.

Vorsemester Medizin

Einen riesigen Pluspunkt für das Auswahlgespräch erhältst Du definitiv, wenn Du nachweisen kannst, dass Du an einem Vorsemester teilgenommen hast. Bei der Prometheus Akademie erhältst Du ein Zertifikat mit einer Übersicht aller Fächer und der Anzahl der belegten Stunden, sowie von allen teilgenommen Praktika. Auch zeitlich gesehen macht das Vorsemester mit ca. 4 Monaten Dauer einen guten Eindruck dafür, dass Du Dich sehr engagierst, nicht nur einen Studienplatz zu erhalten, sondern Dich auch unabhängig davon bereits selbstständig etwas weiterzubilden.

Weitere mögliche Fragen

Weitere Fragen, die jederzeit zu Deiner Person gestellt werden könnten:

  • Was sind Ihrer Meinung nach Ihre Stärken und Schwächen?
  • Wie würden Sie sich kurz selbst beschreiben?
  • Wie nutzen Sie Ihre Freizeit?
  • Wo sehen Sie sich in fünf bis zehn Jahren?

MMI (Multiple Mini Interviews)

Diese Interviews heben sich von einem herkömmlichen Auswahlgespräch etwas ab, da neben den normalen Fragen noch Rollenspiele oder andere kleine Aufgaben hinzukommen. Hierbei wird nicht nur erfragt und getestet, welchen Eindruck Du generell machst, sondern wie Du in verschiedenen Situationen reagierst. Es werden unter anderem folgende Fähigkeiten und Eigenschaften getestet:

  • Stressresistenz
  • Argumentierfähigkeit
  • Gründlichkeit
  • Beobachtungsgabe
  • Entscheidungsfähgikeit
  • Konfliktlösungen finden
  • Empathie

In Form eines Rollenspiels könnten diese Eigenschaften getestet werden, in dem Dir zum Beispiel ein Schauspielpartner zur Seite gestellt wird. Dir wird anschließend eine Situation geschildert, in welche Du dann gleich für einige Minuten mit Deinem Gegenüber einsteigen sollst. Dies kann zum Beispiel eine Situation sein, die Dich in eine Zwickmühle bringt oder ethische und kontrovers diskutierte Fragen aufwirft. Ebenso könnte es sein, dass Du die Rolle eines Studenten oder sogar eines Arztes einnehmen musst.

Die Universität Hamburg benutzt diese Art von Auswahlverfahren unter dem Namen HAM-Int (Interview). Um zu diesem zugelassen zu werden, musst Du jedoch zunächst am HAM-Nat teilnehmen und relativ gut abschneiden. Was der HAM-Nat ist, wo Du ihn schreiben kannst und wie Du Dich auf ihn vorbereitest, erfährst Du hier.

Wie bereite ich mich auf Auswahlgespräche vor?

Sei einfach Du selbst!

Ein sehr simpler, jedoch wertvoller Tipp. Es ist in erster Linie sehr wichtig, dass Du authentisch wirkst. Letztendlich soll ja auch bewertet werden, ob Du für das Studium geeignet bist und nicht irgendjemand, der Du vorgibst zu sein.

Allgemeine Tipps

Achte grundsätzlich auf…

  • Pünktlichkeit
  • ein gepflegtes Erscheinungsbild
  • die richtige Kleidung (nicht zu casual, aber auch nicht zu overdressed)
  • den ersten Eindruck

Gerade der erste Eindruck bleibt hängen. Dazu zählt unter anderem auch das äußere Erscheinungsbild. Eine unterbewusste subjektive Wahrnehmung kann auch ein geschultes Auswahlkomitee nicht vermeiden bzw. abstellen. Deswegen achte darauf, einen freundlichen Eindruck zu machen und auch beim Händeschütteln Blickkontakt zu halten, auf grundlegende Fragen nicht zu knapp aber auch nicht zu ausführlich zu antworten und eine neutrale Körperhaltung einzunehmen.

Zusätzliche Tipps

Von Dir wird wie gesagt in der Regel kein fachliches Vorwissen, verlangt. Allerdings wäre es empfehlenswert sich über einige Dinge kurz vor dem Gespräch noch einmal grundlegend zu informieren:

  • Die Hochschule bzw. das Uniklinikum
    • Studiengang (Regelstudiengang oder Modellstudiengang – mehr Infos dazu findest Du hier)
    • Schwerpunkt (z.B. bekannt für Forschung usw.)
  • Die Stadt, in der Du Dich bewirbst
  • aktuelle Politik im Gesundheitsbereich

Ebenso kannst Du in Foren verschiedene Erfahrungsberichte von früheren Bewerbern lesen, die sich für die gleiche Fakultät beworben haben.

Gesprächssimulation

Du solltest unbedingt üben, Dich adäquat zu artikulieren und gleichzeitig weiterhin authentisch zu klingen. Deshalb ist es besonders empfehlenswert Dich auf einige Fragen bereits vorzubereiten und diese dann mit der Familie oder Freunden schon einmal zu üben. Oftmals gestaltet sich das Aussprechen von Sätzen, die man sich bereits im Kopf zusammengelegt hat nämlich etwas schwerer, als man zunächst vermutet.

Diese Art von Vorbereitung kann Dir ebenfalls etwas Nervosität und Angst vor einem solchen Auswahlgespräch nehmen. Wichtig ist nur, dass Du nicht alles auswendig lernst. Niemand erwartet von Dir perfekte Antworten. Es kann sogar vorkommen, dass es keine richtige Antwort bzw. spezielle Reaktion gibt, welche die Jury von Dir erwartet. Vielmehr möchte sie nachvollziehen können, wie Du mit solchen Situationen umgehst.

Vorbereitung auf Multiple Mini Interviews

Im Gegensatz zu einem Auswahlgespräch kann man sich auf diese Art von Test nur bedingt vorbereiten. Nützlich kann es jedoch sein, sich zu verschiedenen und oft diskutierten ethischen Fragen im medizinischen Bereich Gedanken zu machen und eine Stellungnahme vorzubereiten. Trotzdem solltest Du auch in der Lage sein, für die Gegenseite Argumente vorbringen zu können, da Dir in Rollenspielen und Diskussionen eine Meinung, für die Du argumentieren sollst, vorgegeben werden kann.

Fazit

Die Chance auf einen Studienplatz ist statistisch, sofern man zu einem Auswahlgespräch eingeladen wird, gar nicht so gering. Durch das Sammeln von Erfahrungen wie zum Beispiel durch das Absolvieren eines Pflegepraktikums oder der Teilnahme am Vorsemester Medizin, kann man seine Chancen zusätzlich definitiv verbessern. Wichtig jedoch ist auch die gezielte Vorbereitung und das Üben der Gesprächsführung.