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Es ist nach wie vor nichts Neues. Um einen Studienplatz für Medizin in Deutschland zu erhalten, wird ein besonders gutes Abitur vorausgesetzt. Doch was nun, wenn der NC nicht gerade 1,0 beträgt? Was nun, wenn nicht einmal eine Eins vor dem Komma steht und somit eine Einladung zu diversen Aufnahmetests wie z.B. dem HAM-Nat quasi nahezu unmöglich wird? Einige stellen sich der langen Wartezeit und überbrücken diese mit einer Ausbildung, andere absolvieren ein Studium an einen der wenigen privaten Universitäten in Deutschland und andere gehen direkt ins Ausland. Eine Möglichkeit das ersehnte Studium aufzunehmen stellt jedoch auch die Bundeswehr dar, doch ist sie mit ihren neben dem Studium noch diversen anderen Pflichten eine ernsthafte Alternative?

Bewerbung bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr erhält aus 10.000 Studienplätzen in Deutschland insgesamt 250 zur eigenen Vergabe. Diese werden dann auf die verschiedenen Hochschulen aufgeteilt. Dies bedeutet auch, dass das Studium an sich an einer ganz “normalen” Universität absolviert wird. Dazu jedoch später mehr. Auf diese 250 Plätze bewerben sich ca. 1300 Anwärter.

Wie relevant ist der Abiturdurchschnitt für eine Zulassung?

Das lässt sich nicht so einfach sagen, doch Erfahrungsberichten zufolge ist es auch noch möglich mit einem Durchschnitt von ca. 2,5 einen Platz zu erhalten, sofern man im eigenen Auswahlverfahren der Bundeswehr exzellent abschneidet.

Wichtig: Solltest Du eine Zulassung erhalten und Dein Medizinstudium bei der Bundeswehr antreten, verpflichtest Du Dich inklusive Studium für 17 Jahre! (6 Jahre Studium + 11 Jahre Dienst).

Für das Medizinstudium bei der Bundeswehr steht den Bewerbern auch eine kostenlose Beratung online zur Verfügung!

Benötigte Unterlagen

Prinzipiell findest Du alle Informationen, sowie Downloads auf der Internetseite der Bundeswehr. Doch hier einmal die grundlegenden Unterlagen im Überblick:

  • Bewerbungsbogen (als Download verfügbar)
  • Zusatzbogen (als Download verfügbar)
  • Lebenslauf
  • Geburtsurkunde
  • optional ein Passfoto
  • Nachweis über Schulabschluss (oder letztes Zeugnis)

Das Auswahlverfahren

Solltest Du eine Einladung zum Auswahlverfahren erhalten, geht es für Dich zur Offiziersbewerberprüfungszentrale nach Köln.

Hier musst Du Dich in einem 3-tägigen Auswahlverfahren beweisen. Dich erwarten folgende Tests:

 

  • Computer-Eignungstest (Logik, Mathematik usw.)
  • Sporttest (11 x 10m Sprint, Klimmhang und Ausdauer)
  • Gruppendiskussionen und ein Kurzvortrag
  • Ärztliche Begutachtung
  • Eignungsgespräch mit einem Psychologen und Offizier

Die Einzelleistungen der Tests werden anschließend zusammengerechnet und ergeben Deine Gesamtpunktzahl, welche darüber entscheidet ob Du eine Zulassung erhälst oder nicht. Wie Du Dich am besten auf Tests vorbereitest, erfährst Du ebenfalls unter anderem auf der offiziellen Internetseite der Bundeswehr.

Wichtig ist jedoch, dass Du Dir im Klaren sein solltest, dass die Bundeswehr Dich besonders im Einzelgespräch prüft, ob Du das Studium aus eigener Überzeugung antrittst und nicht nur deshalb, weil Du über Deine Durchschnittsnote keinen “zivilen” Studienplatz erhalten hast.

Studium und Laufbahn bei der Bundeswehr

Das Medizinstudium bei der Bundeswehr birgt Vor- und Nachteile (Wobei diese natürlich individuell als Vor- oder Nachteil bewertet werden). Diese resultieren vor allem aus Rechten und Pflichten, die Du erhälst, solltest Du Dich für 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten wollen. Im Laufe Deiner Weiterbildung bist Du also unterschiedlich stark gebunden. Hast Du eine Zusage für das Studium bei der Bundeswehr erhalten, bedeutet das nämlich nicht gleich, dass Du Dir Deinen Wohnort und Deine Hochschule aussuchen kannst. Allerdings kann sich ein äußerst gutes Testergebnis im Auswahlverfahren positiv auf Deinen Einfluss was die Entscheidung angeht auswirken.

Vor dem Studium

Vor dem Studium wird eine dreimonatige Grundausbildung absolviert. Mit der Verpflichtung bei der Bundeswehr bekommst Du zwar das Recht Medizin zu studieren, hast aber ebenfalls die Pflicht eine Offizierslaufbahn zu beginnen. Du wirst also ebenfalls auch zu einem Soldaten ausgebildet, der durchaus häufig im Inland als auch ins Ausland versetzt werden kann.

Während des Studiums

Da wie gesagt 250 Plätze aus den 10.000 Studienplätzen in Deutschland von der Bundeswehr verteilt werden, absolvierst Du ein ziviles Studium, dass heißt an einer ganz normalen Universität mit Studierenden die über den Notendurchschnitt einen Platz erhalten haben.

In diesen 6 Jahren bietet Dir die Bundeswehr…

  • eine Befreiung vom Dienst
  • eine Unterkunft
  • einen Lohn im ersten Studienjahr von ca. 1600 Euro netto

In diesen 6 Jahren erwartet die Bundeswehr von Dir…

  • den Studienabschluss (also das Einhalten der Regelzeit!)
  • das Absolvieren von Praktika in den Semesterferien
  • das Absolvieren von Lehrgängen in den Semesterferien

Nach dem Studium

Deine Rolle bei der Bundeswehr

Nach dem Studium kann es durchaus vorkommen, dass Du Auslandsaufenthalte wahrnehmen musst oder im Inland versetzt wirst. Ebenso bist Du nicht von den Rechten und Pflichten eines Soldaten befreit, sondern kannst durchaus in einigen Fällen zur Waffe gerufen werden. In diversen Foren wird deshalb der Begriff des “Sanitätsoffiziersanwärter” mit dem eines Arztes verglichen und ausdiskutiert. Denn bei der Bundeswehr wirst Du zu ersterem ausgebildet und bist und bleibst damit auch zu einem gewissen Teil ein Soldat.

Facharztweiterbildung

Ob und welchen Facharzt Du machst, hängt größtenteils nicht von Deiner Präferenz bzw. Entscheidung ab. Viel mehr wirst Du zu dem ausgebildet, was besonders benötigt wird. Logischerweise fällt dieses vor allem in den Bereich der Intensiv- bzw. Notfallmedizin. Lediglich mit überaus guten Leistungen während des Studiums können Dir mit Glück Pluspunkte zugesprochen werden, was Dir mehr Entscheidungsrecht geben könnte.

Aussteigen aus der Bundeswehr nach abgeschlossenem Studium

Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Eine der wenigen Möglichkeiten wäre eventuell sich frei zukaufen, was jedoch durchaus kompliziert und auch nicht gerade wahrscheinlich ist, ansonsten benötigst Du ein psychologisches Gutachten um die Bundeswehr verlassen zu können. Letztendlich bildet Dich die Bundeswehr zu ihrem Dienste aus, welchem Du auch zustimmst, wenn Du Dich für 17 Jahre verpflichtest. Deshalb sollte Deine Intention nicht das Medizinstudium bei der Bundeswehr mit dem Gedanken sein, sich danach irgendwie aus dem Vertrag entziehen zu können.

Vor- und Nachteile des Studiums bei der Bundeswehr

Was für Dich ein Vorteil und was Nachteil ist, kannst nur Du entscheiden. Die in diesem Artikel angesprochenen Punkte sind vor allem Fakten bzw. Situationen, die auf Dich zu kommen, solltest Du Dich wirklich für ein Medizinstudium bei der Bundeswehr interessieren. Im Folgenden fasse ich Dir noch einmal Vor- und Nachteile in einer Tabelle zusammen, die für die meisten zutreffend sind.

VorteileNachteile
Abiturnote für Zulassung nicht so stark gewichtet17 Jahre Verpflichtung
Bewerber pro Platz vergleichbar mit anderen UniversitätenWenig Entscheidungskraft über Wohnort
Keine WartezeitWenig Entscheidungskraft über Universität
Unter anderem ziviles StudiumHoher Druck während des Studiums (Regelstudienzeit)
Befreiung vom Dienst während des StudiumsStändiger Wohnortwechsel ist eher die Regel als die Ausnahme
Finanzielle UnterstützungAuslandseinsätze wahrscheinlich
Jobsicherheit nach dem StudiumWenig Entscheidungskraft bezüglich Facharztwahl
Verpflichtende Offiziersausbildung (Ausbildung ebenfalls zum Soldaten)

Fazit

Ob Du Dich für ein Medizinstudium bei der Bundeswehr bewerben möchtest/solltest, kannst nur Du entscheiden. Dir sollte aber durchaus bewusst sein, dass nicht immer nur medizinische Qualitäten von Dir abverlangt werden können. Wenn Du flexibel bist und für Dich persönlich die Vorteile überwiegen, bzw. einige Nachteile nicht sonderlich ins Gewicht fallen, könnte die Bundeswehr eine Alternative für Dich sein. Allerdings würde ich Dir nicht empfehlen, das Studium der Bundeswehr lediglich als Sprungbrett wahrzunehmen oder aufgrund der finanziellen Attraktivität in Betracht zu ziehen. Die Entscheidung sollte vielmehr durch Deine persönliche Motivation bzw. Überzeugung für die Bundeswehr arbeiten zu wollen, gefällt werden.