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Bei der Bewerbung für das Medizinstudium dreht sich vieles um die Abiturnote. In diesem Zusammenhang tritt stets immer wieder die Diskussion darüber auf, in welchem Verhältnis die Kompetenz eines zukünftigen Arztes mit dem Erhalt eines 1-er Abiturs steht. Diese Frage ging letztendlich bis vor Gericht, weshalb laut aktuellen Stand die Hochschulen dazu verpflichtet sind, bis Ende 2019 ihr Auswahlverfahren zu überarbeiten. In welcher Form diese Veränderungen jedoch genau umgesetzt werden sollen, steht derzeit noch in den Sternen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel jedoch ein Auswahlgespräch, welche auch die Persönlichkeit des Bewerbers und nicht nur eine Abiturnote oder ein Testergebnis berücksichtigt. Bei einigen Universitäten sind sie bereits fester Bestandteil des Auswahlverfahrens. Wie sie ablaufen, was sie von Dir abverlangen und wie Du Dich am besten auf sie vorbereitest, erfährst Du in diesem Blog.

Welche Universitäten nutzen Auswahlgespräche als Kriterium?

Die Auswahlverfahren der medizinischen Fakultäten können sich von Jahr zu Jahr ändern. Deswegen empfehle ich Dir zusätzlich auf der Seite Hochschulstart Informationen von Universitäten einzusammeln, welche Dich interessieren. Einen Überblick verschaffe ich Dir hier.

  • Technische Universität Dresden
  • Universität Duisburg-Essen
  • Medizinische Hochschule Hannover
  • Georg-August-Universität Göttingen
  • Universität Hamburg (HAM-Int)
  • Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
  • Universität Lübeck
  • Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Universität Rostock

Wichtig ist jedoch, dass einige Universitäten wiederum bestimmte Voraussetzungen von Dir verlangen, um überhaupt zum Auswahlgespräch eingeladen zu werden.
Bedingungen sind zum Beispiel:

  • Abiturnote
  • Berufserfahrung
  • Belegte Fächer in der Oberstufe

Auch einige private Hochschulen nutzen das Auswahlgespräch als Kriterium. Unter anderem:

  • Medizinische Hochschule Brandenburg (Neuruppin)
  • Nürberg Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU)
  • Kassel School of Medicine
  • Universität Witten/Herdecke

Wie ist das Auswahlgespräch/Multiple Mini Interviews aufgebaut?

Auswahlgespräche

Im Gegensatz zu einem Auswahltest verlangt ein Auswahlgespräch in der Regel kein Fachwissen von Dir ab. Du musst also kein medizinisches Fachwissen vorweisen und anfangen Bücher über Unfallchirurgie lesen. Viel mehr ist es das Ziel herauszufinden, was für ein Mensch Du bist, weshalb Du Dich für das Medizinstudium entschieden hast, sprich Deine Motivation, was Deine Ziele sind und wie Du in verschiedenen Situationen reagierst. Dabei kann es sein, dass Du ein Einzelgespräch mit einem “Prüfer” führst, oder ein Auswahlkomitee von mehreren Personen vor Dir sitzt.

Motivation

Folgende Fragen könnten Dir beispielsweise bezüglich Deiner Motivation gefragt werden:

  • Wieso haben Sie sich speziell für Humanmedizin entschieden?
  • Seit wann wissen Sie, dass Sie Medizin studieren möchten?
  • Gab es ein Schlüsselereignis, was Sie zu Ihrer beruflichen Entscheidung geführt hat?
  • Wieso haben Sie sich für unsere Hochschule entschieden?
  • Wissen Sie, wie das Studium an dieser Hochschule abläuft?
  • Gibt es bereits einen Fachbereich, der Sie interessiert?

Diese Fragen zielen gemeinsam mit Fragen bezüglich Deiner bereits gesammelten medizinischen Erfahrung darauf ab, herauszufinden, ob Du Dich wirklich mit Deinem Berufswunsch auseinander gesetzt oder gestern Morgen aufgestanden bist und spontan entschieden hast, Humanmedizin studieren zu wollen.

Vorkenntnisse und Erfahrung im medizinischen Bereich

Wie bereits beschrieben hilft es Dir, wenn Du Dein Interesse für das Fach mit bereits gesammelter Erfahrung untermauern kannst. Einen positiven Eindruck hinterlässt Du natürlich besonders dann, wenn Du sogar schon berufliche Erfahrung in Form einer abgeschlossenen Berufsausbildung im medizinischen Bereich vorweisen kannst. Wartezeit solltest Du deshalb zum Beispiel immer nutzen, um Erfahrungen zu sammeln und somit auch Deinen Lebenslauf zu füllen.

  • FSJ (Freiwilliges soziales Jahr)
  • Pflegepraktikum
  • Berufsausbildung im medizinischen Bereich
  • Vorsemester Medizin
Pflegepraktikum

Besonders empfehlenswert ist es bereits ein Pflegepraktikum zu absolvieren, da Du im Falle dessen, dass Du einen Studienplatz erhalten solltest, ohnehin innerhalb der ersten zwei Studienjahre insgesamt 3 Monate Pflegepraktikum vorweisen musst. Diese kannst Du jedoch bereits vor dem Studium (jedoch nach dem Abitur!) machen und sie trotzdem als Referenz in einem Auswahlgespräch nutzen.

Vorsemester Medizin

Einen riesigen Pluspunkt für das Auswahlgespräch erhältst Du definitiv, wenn Du nachweisen kannst, dass Du an einem Vorsemester teilgenommen hast. Bei der Prometheus Akademie erhältst Du ein Zertifikat mit einer Übersicht aller Fächer und der Anzahl der belegten Stunden, sowie von allen teilgenommen Praktika. Auch zeitlich gesehen macht das Vorsemester mit ca. 4 Monaten Dauer einen guten Eindruck dafür, dass Du Dich sehr engagierst, nicht nur einen Studienplatz zu erhalten, sondern Dich auch unabhängig davon bereits selbstständig etwas weiterzubilden.

Weitere mögliche Fragen

Weitere Fragen, die jederzeit zu Deiner Person gestellt werden könnten:

  • Was sind Ihrer Meinung nach Ihre Stärken und Schwächen?
  • Wie würden Sie sich kurz selbst beschreiben?
  • Wie nutzen Sie Ihre Freizeit?
  • Wo sehen Sie sich in fünf bis zehn Jahren?

MMI (Multiple Mini Interviews)

Diese Interviews heben sich von einem herkömmlichen Auswahlgespräch etwas ab, da neben den normalen Fragen noch Rollenspiele oder andere kleine Aufgaben hinzukommen. Hierbei wird nicht nur erfragt und getestet, welchen Eindruck Du generell machst, sondern wie Du in verschiedenen Situationen reagierst. Es werden unter anderem folgende Fähigkeiten und Eigenschaften getestet:

  • Stressresistenz
  • Argumentierfähigkeit
  • Gründlichkeit
  • Beobachtungsgabe
  • Entscheidungsfähgikeit
  • Konfliktlösungen finden
  • Empathie

In Form eines Rollenspiels könnten diese Eigenschaften getestet werden, in dem Dir zum Beispiel ein Schauspielpartner zur Seite gestellt wird. Dir wird anschließend eine Situation geschildert, in welche Du dann gleich für einige Minuten mit Deinem Gegenüber einsteigen sollst. Dies kann zum Beispiel eine Situation sein, die Dich in eine Zwickmühle bringt oder ethische und kontrovers diskutierte Fragen aufwirft. Ebenso könnte es sein, dass Du die Rolle eines Studenten oder sogar eines Arztes einnehmen musst.

Die Universität Hamburg benutzt diese Art von Auswahlverfahren unter dem Namen HAM-Int (Interview). Um zu diesem zugelassen zu werden, musst Du jedoch zunächst am HAM-Nat teilnehmen und relativ gut abschneiden. Was der HAM-Nat ist, wo Du ihn schreiben kannst und wie Du Dich auf ihn vorbereitest, erfährst Du hier.

Wie bereite ich mich auf Auswahlgespräche vor?

Sei einfach Du selbst!

Ein sehr simpler, jedoch wertvoller Tipp. Es ist in erster Linie sehr wichtig, dass Du authentisch wirkst. Letztendlich soll ja auch bewertet werden, ob Du für das Studium geeignet bist und nicht irgendjemand, der Du vorgibst zu sein.

Allgemeine Tipps

Achte grundsätzlich auf…

  • Pünktlichkeit
  • ein gepflegtes Erscheinungsbild
  • die richtige Kleidung (nicht zu casual, aber auch nicht zu overdressed)
  • den ersten Eindruck

Gerade der erste Eindruck bleibt hängen. Dazu zählt unter anderem auch das äußere Erscheinungsbild. Eine unterbewusste subjektive Wahrnehmung kann auch ein geschultes Auswahlkomitee nicht vermeiden bzw. abstellen. Deswegen achte darauf, einen freundlichen Eindruck zu machen und auch beim Händeschütteln Blickkontakt zu halten, auf grundlegende Fragen nicht zu knapp aber auch nicht zu ausführlich zu antworten und eine neutrale Körperhaltung einzunehmen.

Zusätzliche Tipps

Von Dir wird wie gesagt in der Regel kein fachliches Vorwissen, verlangt. Allerdings wäre es empfehlenswert sich über einige Dinge kurz vor dem Gespräch noch einmal grundlegend zu informieren:

  • Die Hochschule bzw. das Uniklinikum
    • Studiengang (Regelstudiengang oder Modellstudiengang – mehr Infos dazu findest Du hier)
    • Schwerpunkt (z.B. bekannt für Forschung usw.)
  • Die Stadt, in der Du Dich bewirbst
  • aktuelle Politik im Gesundheitsbereich

Ebenso kannst Du in Foren verschiedene Erfahrungsberichte von früheren Bewerbern lesen, die sich für die gleiche Fakultät beworben haben.

Gesprächssimulation

Du solltest unbedingt üben, Dich adäquat zu artikulieren und gleichzeitig weiterhin authentisch zu klingen. Deshalb ist es besonders empfehlenswert Dich auf einige Fragen bereits vorzubereiten und diese dann mit der Familie oder Freunden schon einmal zu üben. Oftmals gestaltet sich das Aussprechen von Sätzen, die man sich bereits im Kopf zusammengelegt hat nämlich etwas schwerer, als man zunächst vermutet.

Diese Art von Vorbereitung kann Dir ebenfalls etwas Nervosität und Angst vor einem solchen Auswahlgespräch nehmen. Wichtig ist nur, dass Du nicht alles auswendig lernst. Niemand erwartet von Dir perfekte Antworten. Es kann sogar vorkommen, dass es keine richtige Antwort bzw. spezielle Reaktion gibt, welche die Jury von Dir erwartet. Vielmehr möchte sie nachvollziehen können, wie Du mit solchen Situationen umgehst.

Vorbereitung auf Multiple Mini Interviews

Im Gegensatz zu einem Auswahlgespräch kann man sich auf diese Art von Test nur bedingt vorbereiten. Nützlich kann es jedoch sein, sich zu verschiedenen und oft diskutierten ethischen Fragen im medizinischen Bereich Gedanken zu machen und eine Stellungnahme vorzubereiten. Trotzdem solltest Du auch in der Lage sein, für die Gegenseite Argumente vorbringen zu können, da Dir in Rollenspielen und Diskussionen eine Meinung, für die Du argumentieren sollst, vorgegeben werden kann.

Fazit

Die Chance auf einen Studienplatz ist statistisch, sofern man zu einem Auswahlgespräch eingeladen wird, gar nicht so gering. Durch das Sammeln von Erfahrungen wie zum Beispiel durch das Absolvieren eines Pflegepraktikums oder der Teilnahme am Vorsemester Medizin, kann man seine Chancen zusätzlich definitiv verbessern. Wichtig jedoch ist auch die gezielte Vorbereitung und das Üben der Gesprächsführung.

Die zweite Runde des Vorsemester Medizin ist gestartet. Ich hab mich darüber gefreut, die anderen wiederzusehen und natürlich auch auf die neuen Themen im Unterricht. Angefangen haben wir mit einer Einführung in die Embryologie und Anatomie. Die folgenden Tage ging es weiter mit Terminologie, während dessen wir die lateinischen Begriffe durchgegangen sind und anschließend wieder themenbezogene Anatomie. Am Donnerstag hatten wir unseren ersten Tag des anatomischen Praktikums.

In kleinen Gruppen am menschlichen Präparat arbeiten

Wir haben uns in acht Gruppen mit jeweils ungefähr 15 Studenten an menschlichen Präparaten das Skelett und die Muskeln angeschaut. Anfangs wurden uns die grundlegenden Strukturen erklärt um diese anschließend am Präparat genau anschauen. An verschiedenen Teilen des Körpers, wie z.B. am Bein oder am Rücken sollten wir dann in kleinen Gruppen mit Hilfe eines Atlanten die verschiedenen Strukturen am Präparat finden und zeigen. Anfangs ist es natürlich sehr schwer die Strukturen, die man theoretisch kennt und im Atlas vor sich sieht, dann auch am echten Präparat zu finden. Zum Beispiel wurden uns am Rücken fünf verschiedene Muskeln genannt, welche wir gemeinsam am menschlichen Körper gesucht haben.

 

Wöchentliche Wissensabfrage des Erlernten

Am Freitag hatten wir dann wieder einen ganz normalen Vorlesungstag, wie wir ihn schon aus dem ersten Teil des Vorsemesters kannten. Behandelt haben wir das Immunsystem und seine Zellen und verschiedene Allergien.

Freitag Abend war dann noch Lernen angesagt, da wir Samstag unsere erste Klausur geschrieben haben. Es war natürlich nicht leicht, samstags so früh aufzustehen. Ich musste um 7:45 Uhr bei mir los, weil ich ziemlich lang fahre. Als Ausgleich hatten wir am Montag unterrichtsfrei. Die Klausur war viel kürzer als die anderen. Sie ging nur 60 Minuten und bestand auch nur aus 20 Fragen. Aus jeder Vorlesung der Woche wurden ungefähr zwei bis drei Fragen abgefragt. Direkt am Montag haben wir dann auch schon wieder unsere Note bekommen.

Ich freue mich sehr auf die kommenden Wochen, da sowohl die Vorlesungen, als auch die Praktika wahnsinnig spannend sind und enorm viel Spaß machen.

Ist die ersehnte Bescheidung für den Studienplatz in Medizin nicht erfolgt, gibt es immer noch das Losverfahren. Die Note ist dann vollkommen irrelevant. Wer teilnehmen will, muss sich direkt bei den Hochschulen einschreiben. Aber Achtung: Auch hier gibt es Fristen. Für die Anmeldung zum Losverfahren hat jede Hochschule ihre eigenen Regeln. In der Trefferliste, die man auf eine entsprechende Suchanfrage hin erhält, findet man meist einen Link auf die Informationsseiten der jeweiligen Hochschule. Dort ist dann auch eine Beschreibung des für diese Hochschule gültigen Verfahrens zu finden.

Ob man im Losverfahren erfolgreich war, erfährt man direkt von den Hochschulen. Eine Rückmeldung erfolgt also nur, wenn das Losverfahren zu einem positiven Ergebnis geführt hat! Ablehnungsbescheide werden im Losverfahren nicht verschickt.

Was kann das Angebot “www.freie-studienplaetze.de“?

Dieses Web-Angebot ist eine gemeinschaftliche Aktion der in der Hochschulrektorenkonferenz zusammengeschlossenen Hochschulen und der Stiftung für Hochschulzulassung. Es wird von allen Bundesländern unterstützt. Über die Börse lassen sich bundesweit Studienangebote finden, für die es wenige Wochen vor Semesterbeginn noch freie Studienplätze gibt. Die Studienplatzbörse öffnet zum 1. September und hat mit Beginn der Vorlesungen ihre Aufgabe erledigt, so dass sie am 31. Oktober wieder schließt. Neben den Studienangeboten der bundesweiten Studienplatzbörse können auch frei gebliebene Studienplätze über das “Clearingverfahren” vergeben werden. Eine Übersicht der Studienfächer des Clearingverfahrens ist auf der Seite der Börse über einen Link zu finden. Die Hochschulen können allerdings unabhängig von den Clearingverfahren hochschuleigene Nachrück- und Losverfahren anbieten.