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Für viele Abiturienten, die kein Spitzenabitur haben, stellt sich die Frage:

“Welche weiteren Qualifikationen erhöhen meine Chance auf einen Medizinstudienplatz?”

Immer wieder wird die Rettungssanitäterausbildung auf dem Weg ins Medizinstudium angesprochen, die an einigen Universitäten im Auswahlverfahren der Hochschulen positiv gewertet wird. Auch als Überbrückung der Wartezeit kann eine Ausbildung in Frage kommen, da während der Berufsausbildung gleichzeitig medizinisches Wissen und Wartesemester gesammelt werden können.

Im folgenden Artikel möchte ich Dir erklären, wie die Rettungssanitäterausbildung aufgebaut ist und welche Vorteile diese Ausbildung für die Bewerbung auf das Medizinstudium hat.

Unterschiede zwischen Notfallsanitäter, Rettungsassistent, Rettungssanitäter und Rettungshelfer

Abgesehen vom Notarzt, der im Rettungsdienst als ärztliches Rettungsdienstpersonal agiert, gibt es in Deutschland 3 Qualifikationen für Fachpersonal im nichtärztlichen Rettungsdienst. Deshalb zunächst eine kleine Einführung in die Nomenklatur, um die Unterschiede zwischen den Ausbildungen zu verdeutlichen:

Notfallsanitäter und RettungsassistentWird die Rettungssanitäterausbildung beim Medizinstudium angerechnet

Die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst hat der Notfallsanitäter. Die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter gibt es seit 2014 und ersetzt die des Rettungsassistenten. Vor 2014 war der Rettungsassistent mit einer zweijährigen Ausbildung der “ranghöchste” nichtärztliche Helfer.

Rettungssanitäterausbildung

Der Rettungssanitäter hat im Vergleich zum Notfallsanitäter eine kürzere Ausbildung und ist ihm daher untergestellt.

Um Rettungssanitäter zu werden muss man eine Rettungssanitäterausbildung mit insgesamt 520 Stunden absolvieren. Der Lehrgang beinhaltet anatomische und physiologische Grundlagen des menschlichen Körpers. Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz allerdings unterschiedlich definiert.

Den theoretischen Abschnitt kann man in Vollzeit, aber auch berufsbegleitend (z.B. an Wochenenden) absolvieren. Der Fokus der Lehre liegt auf notfallmedizinisch relevanten Krankheitsbildern und Therapien.

Die insgesamt 520 Stunden der Retungssanitäterausbildung unterteilen sich in 4 Abschnitte:

  1. Als erstes werden 160 Stunden theoretische Grundlagen gelernt. Dazu gehören Anatomie, Physiologie, Anästhesie, aber auch spezielle Fachgebiete wie die Pädiatrie und Psychiatrie. Zudem werden rechtliche Inhalte besprochen.
  2. Das klinische Praktikum im Bereich der Notfallambulanz, Intensivstation und Anästhesie umfasst weitere 160 Stunden. Hier werden vor allem praktische Fertigkeiten wie z.B. das Intubieren von Patienten, Gabe von Infusionen, Umgang mit Medikamenten und Patientenüberwachung und Dokumentation gelehrt.
  3. Weitere 160 Stunden werden auf der Rettungswache absolviert.
  4. Der letzte Abschnitt dauert 40 Stunden und beinhaltet eine abschließende Lehreinheit mit anschließender Prüfung mit einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil.

Der Rettungshelfer

Der Rettungshelfer ist eine bundesweit nicht einheitlich geregelte Qualifizierung für Personal im Krankentransport und Rettungsdienst. Die Ausbildung umfasst 320 Stunden und beinhaltet eine theoretische Ausbildung, ein Krankenhauspraktikum und ein Praktikum auf der Rettungswache. Der Rettungshelfer ist Teil der Rettungssanitäterausbildung.

Das Auswahlverfahren der Hochschulen

Welche Universitäten geben Boni für eine abgeschlossene Berufsausbildung?

Universität Dresden

In Dresden ist das Auswahlverfahren der Hochschule in zwei Stufen eingeteilt. Im ersten Teil wird für medizinisch relevante Berufe mit Abschluss ein Bonus von bis zu max. 100 Punktenvergeben. Für eine Ausbildung zum Notfallsanitäter (ehem. Rettungsassistenten) wird die volle Punktzahl angerechnet. Für eine Ausbildung zum Rettungssanitäter werden 10 Punkteangerechnet. Der in Stufe 1 erreichte Rangplatz ist für die Einladung für Stufe 2, dem persönlichen Auswahlverfahren, maßgeblich. Es qualifizieren sich die besten 300 Bewerber. Im Auswahlgespräch ist eine berufliche Vorkenntnis sicherlich ebenfalls von Vorteil.

Universität Erlangen-Nürnberg

Das Vorliegen einer abgeschlossenen Berufsausbildung bringt einen Bonus von 0,1 auf die Abitur-Durchschnittsnote. Unter die anerkannten Berufe fällt u.a. der Notfallsanitäter und Rettungsassistent.

Universität Freiburg

Eine abgeschlossene Berufsausbildung als Rettungsassistent und gegebenenfalls eine anschließende Berufstätigkeit verbessert die Abitur-Durchschnittsnote um 0,1 pro Halbjahr nachgewiesener Ausbildungsdauer. Höchstens kann die Note um 0,5 verbessert werden.

Universität Gießen

In Gießen werden 15% der Studienplätze an Bewerber mit Berufsabschluss vergeben. Zusätzlich zum Zulassungsantrag muss der erfolgreich absolvierte Abschluss einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung eingereicht werden, die in Regelausbildungszeit beendet wurde. Der Rettungsassistent wird dabei anerkannt.

Universität Göttingen

Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung kann in Göttingen die Abitur-Durchschnittsnote um 0,3 verbessert werden. Dabei zählt der Rettungsassistent als anerkannte Ausbildung.

Universität Greifswald

In Greifswald besteht das Auswahlverfahren der Hochschule aus einem Punktesystem. In diesem Punktesystem wird für berufspraktische Erfahrungen auf medizinischem Gebiet je nach Dauer der beruflichen Erfahrung Punkte vergeben. Eine berufspraktische Erfahrung von 3 bis 9 Monaten bringt 9 Punkte6 bis 9 Monate Erfahrung entsprechen 18 Punkten. Wer mehr als 9 Monate Berufserfahrung mit sich bringt, bekommt 35 Punkte angerechnet. Zum Vergleich: Eine Naturwissenschaft auf Leistungskurs-Niveau bringt nur 10 Punkte. Aus grundlegendem Niveau sogar nur 5 Punkte.

Universität Halle-Wittenberg

Durch eine abgeschlossene Berufsausbildung als Rettungsassistent wird in Hallo-Wittenberg die Abitur-Durchschnittsnote um 0,1 verbessert.

Universität Heidelberg

Das Auswahlverfahren in Heidelberg beruht auf folgenden drei Kriterien:

  1. Abiturpunktzahl
  2. Leistungen im Test für Medizinische Studiengänge (TMS)
  3. Bonuspunkte (z.B. Berufsausbildung, Freiwilligendienst etc.)

Die Bonuspunkte werden mit einem Gewicht von 10% gewichtet. Für eine abgeschlosseneAusbildung als Notfallsanitäter oder Rettungsassistent werden 3 Punkte vergeben. Ein weiterer Punkt wird für eine Berufstätigkeit von über einem Jahr vergeben. Es gibt keinen Bonus für die Ausbildung zum Rettungssanitäter.

Universität Heidelberg/Mannheim

Das Auswahlverfahren in Mannheim gleicht dem in Heidelberg.

Universität Jena

In Jena besteht das Auswahlverfahren der Hochschule aus einem Punktesystem. Für eine Ausbildung als Notfallsanitäter/Rettungsassistent werden 30 Punkte vergeben.

Universität Kiel

Bei Nachweis des Abschlusses zum Rettungsassistenten wird in Kiel die Abitur-Durchschnittsnote um 0,3 verbessert.

Universität Leipzig

In Leipzig werden 90% der Studienplätze im Auswahlverfahren der Hochschulen über die Abitur-Durchschnittsnote inklusive Einberechnung des TMS-Ergebnisses vergeben. Die restlichen 10% werden zwar ebenfalls nach der Abitur-Durchschnittsnote vergeben, allerdings unter Berücksichtigung vorliegender Berufsausbildungen. Dabei wird der Rettungsassistent anerkannt.

Universität Lübeck

Alle Studienplätze, die in Lübeck über das Auswahlverfahren der Hochschulen vergeben werden, werden über ein Auswahlgespräch vergeben. Nur 50% der eingeladenen Bewerber werden letztendlich genommen. Für die Einladung zum Auswahlgespräch sind die Abitur-Durchschnittsnote, abgeschlossene Berufsausbildung und Teilnahme am Test für Medizinische Studiengänge ausschlaggebend. Für eine abgeschlossene Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter wird die Abiturnote um 0,4 aufgewertet.

Universität Mainz

In Mainz besteht das Auswahlverfahren der Hochschule aus der Abitur-Durchschnittsnote, einem Test und einer gegebenenfalls vorliegenden Berufsausbildung. Für eine abgeschlossene Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter wird die Abiturnote um 0,4aufgebessert.

Universität Marburg

In Marburg kann man die Abiturnote durch eine Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter um 0,3 verbessern.

Universität München

Als Rettungsassistent kann man seine Abiturnote in München um 0,3 verbessern.

Universität Oldenburg

An der Universität Oldenburg wird durch eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildungdie Abitur-Durchschnittsnote um ganze 0,5 verbessert. Zu den anerkannten Ausbildungsberufen gehört der Rettungsassistent und der Notfallsanitäter.

Universität Rostock

In Rostock wird durch eine Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter die Abitur-Durchschnittsnote um 0,3 verbessert.

Universität Saarland

Die Abitur-Durchschnittsnote kann im Saarland um 0,2 verbessert werden beim vorliegen einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter.

Universität Tübingen

In Tübingen beträgt die Notenverbesserung durch den Berufsbonus 0,1 für jedes halbe Jahr Berufsausbildung oder Berufstätigkeit bis zur Bewerbungsfrist. Dabei muss es sich um einen Ausbildungsberuf mit einer zweijährigen Regelausbildungszeit handeln. Rettungsassistent und Notfallsanitäter werden anerkannt, der Rettungssanitäter ist jedoch ausgenommen. Insgesamt darf die Durchschnittsnote um maximal 0,5 verbessert werden.

Universität Ulm

In Ulm werden 50% der Studienplätze, die über das Auswahlverfahren der Hochschule vergeben werden nach Abiturnote und Beruf vergeben. Eine abgeschlossene Berufsausbildungbringt einen Bonus von 0,3. Für eine medizinische Berufstätigkeit von mindestens 2 Jahrenwird eine Verbesserung des Abiturs um 0,2 angerechnet. Sogar für Praktika, die allerdings mindestens 6 zusammenhängende Monate lang sein müssen, wird ein Bonus von 0,1angerechnet. Insgesamt darf maximal ein Bonus von 0,3 Notenpunkten geltend gemacht werden.

Universität Würzburg

In Würzburg wird die Durchschnittsnote um 0,2 aufgebessert, bei vorliegen einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Zu den anerkannten Berufen gehört der Rettungsassistent und Notfallsanitäter.

 

Studieren ohne Abitur – Berufliche Qualifikation

Wer kein Abitur hat aber eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann, hat die Möglichkeit über eine spezielle Quote, der sogenannten Quote für “beruflich Qualifizierte” zum Medizinstudium zugelassen zu werden.

Die Grundvoraussetzung ist die Mittlere Reife und eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem medizinischen Umfeld. Die Regelausbildungsdauer muss dabei mindestens 2 Jahre dauern. Die Ausbildung muss mit einer Abschlussnote von mindestens 2,5 absolviert worden sein. Zusätzlich werden 3 Jahre Berufserfahrung verlangt. Durch diese Kriterien erhält man eine fachgebundene Studienberechtigung auf das Medizinstudium.

Folgende Ausbildungen kommen unter anderem für diesen Weg ins Medizinstudium in Frage:

  • Arzthelfer
  • Medizinischer Fachangestellter
  • Notfallsanitäter
  • Rettungsassistent
  • Pflegekraft
  • Physio -oder Ergotherapeut
  • Gesundheits- und Krankenpfleger

Auch Personen mit einer bestandenen Meisterprüfung, Fachwirte, Personen mit Fachschulabschluss (Techniker) haben eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung und können sich somit auch für ein Medizinstudium bewerben.

Sobald man das Abitur gemacht hat, gibt es leider nicht mehr die Möglichkeit über die Quote der “beruflich Qualifizierten” in das Medizinstudium aufgenommen zu werden.

Da sich die Inhalte der ersten Semester an vielen Universitäten am Wissen der Abiturgrundkurse orientieren, ist es vor allem im Medizinstudium notwendig Fächer wie Biologie, Chemie und Physik vorzubereiten. Im Studium werden diese Grundlagen vorausgesetzt.

Das Fazit

Ausbildung vor MedizinstudiumEine Ausbildung zum Notfallsanitäter oder Rettungsassistenten bringt zur Bewerbung für das Medizinstudium an vielen Universitäten einen großen Vorteil. Es werden für abgeschlossene Berufsausbildungen Boni verteilt, in Form von Pluspunkten im Punktesystem der Hochschule oder in Form von einer Ausbesserung des Abiturs um einen bestimmten Wert. Vor allem an der Universität Oldenburg wird eine Ausbildung hoch angerechnet. Dort kann man mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung eine Verbesserung des Abiturs um 0,5 erreichen.

Eine Rettungssanitäterausbildung spielt im Bewerbungsverfahren vor allem eine Rolle, wenn das Auswahlverfahren der Hochschule aus einem Auswahlgespräch besteht. Wer eine Ausbildung zum Rettungssanitäter vorweisen kann, zeigt damit sein Engagement und Interesse am Fach.

Für Bewerber die kein Abitur haben, gibt es die Möglichkeit die Hochschulzugangsberechtigung durch eine Ausbildung zum Notfallsanitäter oder Rettungsassistenten zu erlangen. Dabei muss der Bewerber einige Jahre Berufserfahrung vorweisen können. Auf diese Weise können sich Bewerber ohne Abitur den Weg ins Medizinstudium ermöglichen.

Die Abiturnote entscheidet in Deutschland, wer welches Fach studieren darf. Zumindest bis heute. Seit dem 19. Dezember 2017 gibt es jedoch ein neues Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Verfahren für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge. Hintergrund dieser Ereignisse war das fragliche Zulassungsverfahren, vor allem für medizinische Studiengänge wie Humanmedizin oder Zahnmedizin. Für viele steht die stark auf die Abiturnote basierte Zulassungsbeschränkung nicht im Einklang mit dem Gleichheitsgrundsatz nach Grundgesetz Artikel 12:

Art. 12 GG “Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.”

Aus diesem Grund hatten zwei Kläger gegen das Zulassungsverfahren geklagt.

Wie läuft derzeit das Zulassungsverfahren für Medizinstudienplätze ab?

Über die Stiftung für Hochschulzulassung werden die Medizinstudienplätze zentral vergeben. Unter “Numerus Clausus” (lateinisch für “begrenzte Anzahl”) versteht man die Durchschnittsnote der allgemeinen Hochschulreife, die die Zulassung zur Universität reguliert in Deutschland.

Die Gesamtmenge der Studienplätze für Medizin wird in 3 Hauptquoten und mehreren Vorabquoten aufgeteilt. Die Vorabquoten sind jedoch je nach Bundesland unterschiedlich geregelt.

Hauptquote Medizin

Die Hauptquote wird von der Stiftung für Hochschulzulassung reguliert und ist wie folgt aufgebaut:

  • 20% der Studienplätze werden an die Abiturbesten vergeben.
  • Weitere 20% werden nach Wartezeit vergeben, die heutzutage bis zu 14-15 Semester betragen kann.
  • Die übrigen 60% der Studienplätze können von den Hochschulen selbst vergeben werden. Viele Universitäten haben Aufnahmetests wie den TMS oder HamNAT entworfen. Zusätzlich zu den Tests sind auch persönliche Auswahlgespräche gängig. Bewerber haben die Möglichkeit Ihre Chancen durch zusätzliche Qualifikationen wie z.B. einer Rettungssanitäter-Ausbildung oder Pflege-Ausbildung zu verbessern.

Vorabquote Medizin

Die Vorabquoten sind für folgende Bewerbergruppen geeignet:

  • In Berlin werden 8% der Plätze an Nicht-EU-Bürger und staatenlose Bewerber vergeben. Diese Quote kann in anderen Ländern etwas variieren.
  • 8% der Studienplätze werden an beruflich Qualifizierte ohne Abitur vergeben. In diesen Fällen wird die Durchschnittsnote der Aufstiegsfortbildung/Fachschul- oder Berufsausbildung gewertet.
  • 3% bekommen den Studienplatz durch die Härtefallquote. In der Härtefallquote wird sehr individuell entschieden.
  • Weitere 3% gelten Zweitstudienbewerbern, die bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen haben und nun ihr Wissen vertiefen möchten. Das können z.B. Studierende mit einem physikalischem Hintergrund sein, die mit einem Medizinstudium gerne in die Medizintechnik oder Forschung einsteigen möchten.
  • Zudem gibt es noch eine kleine Quote für Bewerber, die über die Bundeswehr studieren.

Nachrückverfahren / Losverfahren Medizin

Bewerber, die den gewünschten Studienplatz nicht ergattern, können durch das sogenannte Nachrückverfahren noch im späteren Verlauf des Hochschulverfahrens einen Platz bekommen. Es wird immer automatisch nachgerückt, wenn der zugelassene Bewerber den Studienplatz nicht annimmt. Wenn auch der nachgerückte Bewerber den Studienplatz nicht annehmen möchte, wird der Studienplatz per Losverfahren vergeben. Dazu muss man rechtzeitig, also vor Semesterbeginn, einen Losantrag bei der gewünschten Universität gestellt haben. Dieser Fall kommt allerdings unglaublich selten vor, vor allem in so beliebten Fächern wie der Humanmedizin.

Irrtümer bezüglich des NCs und der Zulassungschance

Der Numerus Clausus für zulassungsbeschränkte Fächer wird nicht im Vorfeld festgelegt, nur die Zahl der Studienplätze ist begrenzt. Somit entscheidet jedes Jahr die Menge und Leistung der Bewerber, wie hoch der NC gesetzt wird. Je mehr und leistungsfähiger die Konkurrenz, desto schwerer und höher liegt der NC. Es ist sinnvoll, sich die Notengrenzwerte der letzten Jahr anzuschauen, dies verspricht aber keinen Schluss auf die zukünftigen Notengrenzen.

Zudem wird häufig irrtümlicherweise gedacht, dass sich durch Wartezeit der Abiturdurchschnitt verbessert. Dies ist jedoch nicht der Fall. Auch die Wartezeit wird vorher nicht festgelegt, sondern ergibt sich aus dem Zulassungsverfahren des jeweiligen Jahres und liegt aktuell bei 7 Jahren.

Warum gibt es überhaupt eine Zulassungsgrenze?

Der große Andrang auf das Medizinstudium zwingt die Universitäten, ihre Leistungsgrenze zur Zulassung sehr hochzusetzen. Momentan bewerben sich insgesamt ca. 71.500 Bewerber auf ca. 13.000 Medizin- und Zahnmedizin-Studienplätze pro Jahr, d.h. nur jeder 5. bis 6. kriegt seinen gewünschten Medizinstudienplatz.

Studienplätze Medizin SoSe 2017

StudiengangStudienplätzeBewerberBewerber je Studienplatz
Medizin1.62718.79912
Zahnmedizin6073.4336

Studienpläze Medizin WiSe 2017/18

StudiengangStudienplätzeBewerberBewerber je Studienplatz
Medizin9.17643.1845
Zahnmedizin1.5166.0434

Quelle: Hochschulstart.de

Nur mit einem Abiturdurchschnitt von 1,0 bis 1,1 hat man als Abiturient die Chance, direkt ins Medizinstudium zugelassen zu werden. Durch das Hochschulverfahren bekommen weitere Bewerber bis einer Abiturnote von ca. 1,4 bis 1,5 die Chance, sich in diversen Tests und Auswahlgesprächen zu beweisen. Die Konkurrenz ist also hart.

Was ist das Argument der Kläger?

Die Kläger berufen sich auf Artikel 12 des Grundgesetzes, welches jedem Bürger das Recht zuspricht, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei auszuwählen. Weil das Medizinstudium sehr überlaufen ist und die Universitäten aus Kapazitätsgründen nur Teile der Bewerber annehmen können, gibt es die sogenannte Wartezeitregelung. Dadurch wird gewährleistet, dass alle Bewerber mit allgemeiner Hochschulreife  theoretisch Medizin studieren können, unabhängig von der Abiturnote.

1977 wurde festgelegt, dass die Wartezeit die Dauer des Studiums nicht überschreiten darf, dies ist heutzutage jedoch der Fall ist: Momentan beträgt die Wartezeit ca. 14 Semester (7 Jahre), das Medizinstudium an sich hat jedoch nur 12 Semester (6 Jahre). Dies sei nach Meinung der Kläger unzulässig.

Was hat sich durch das Gerichtsurteil geändert?

  • Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass die langen Wartezeiten nun zukünftig eine Obergrenze haben müssen.
  • Zudem wurden die bisher üblichen Ortspräferenzen bei dem Vergabeverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung als verfassungswidrig erklärt. Bisher durften Bewerber maximal 6 Hochschulorte angeben. Einige Universitäten sortierten als Vorkriterium schon alle aus, die ihre Hochschule nicht als 1. Ortpräferenz nannten. Diese Ortswahl darf nun künftig nur noch ein Kriterium sein, wenn es an der Universität ein eigenes Auswahlgespräch gibt.
  • Die Universitäten sind zudem dazu aufgefordert, bei der Auswahl nach einem standardisierten und transparenten System vorzugehen. Dabei darf die Abiturnote nicht ausschließlich ausschlaggebend sein. Allerdings wird die Abiturnote bis heute als zuverlässiger Indikator dafür gesehen, wie erfolgreich jemand das Medizinstudium abschließt.
  • Kriterien, die die Eignung zum Arzt berücksichtigen, müssen in das Hochschulverfahren mit aufgenommen werden. Dazu gehören soziale und kommunikative Fertigkeiten, schnelle Auffassungsgabe und emphatische Kompetenzen.
  • Außerdem soll die Vergleichbarkeit der Abiturnoten aus verschiedenen Bundesländern erreicht werden.
  • Ab 2020 soll eine Quote entstehen, für Abiturienten die sich verpflichten später auf dem Land zu arbeiten, da momentan eine Unterversorgung der ländlichen Regionen herrscht.

Die neuen Änderungen werden aber noch einige Zeit brauchen, um in Kraft zu treten. Es müssen nun 14 Landesgesetze, 1 Bundesgesetz und 1 Länder-Staatsvertrag geändert werden. Also zunächst einmal sehr viel Bürokratie. Die offizielle Internetseite der Stiftung für Hochschulzulassung hat schon auf die neuen Gerichtsurteile reagiert. In einem Statement erklärt die Stiftung, dass die Neuregelungen bis zum 31. Dezember 2019 getroffen werden sollen.

Was ist der “Masterplan Medizinstudium 2020”?

Seit längerem wird gefürchtet, dass die Ärztedichte auf dem Land abnimmt. Bei zunehmender Alterung der Gesamtbevölkerung stellt das ein großes Problem für das ländliche Gesundheitssystem dar. Mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 möchten nun Bund und Länder dagegen vorgehen:

Länder sollen ab 2020 eine 10% Landarztquote bei der Zulassung zum Medizinstudium vorsehen. Das bedeutet, wer sich verpflichtet für mindestens 10 Jahre auf dem Land zu leben und dort in einer Landarztpraxis zu praktizieren, kann durch diese Quote in das Medizinstudium aufgenommen werden. Diese Quote soll in Bayern, Niedersachen und Nordrhein-Westfalen eingeführt werden.

Zudem soll das Medizinstudium noch praxisnäher gestaltet werden. Das bedeutet konkret, dass Studierende während des letzen Studienjahrs, welches üblicherweise als praktisches Jahr bezeichnet wird, ein Tertial in der ambulanten Versorgung verbringen müssen, um Einblicke in die Allgemeinmedizin zu erhalten. Momentan werden die Tertiale in drei Fächern absolviert: Chirurgie, Innere Medizin und ein Wahlfach. Meist findet das praktische Jahr heutzutage in größeren Lehrkrankenhäusern und Unikliniken statt.

Die Zahl der Medizinstudienplätze kann auch mit dem “Masterplan 2020” trotz Ärztemangel nicht gesteigert werden können. Der Hauptgrund dafür sind wahrscheinlich die sehr hohen Kosten: Ein Studienplatz für Human- oder Zahnmedizin kostet im Durchschnitt über 36.000 Euro im Jahr, also über 200.000 Euro für das gesamte Studium.

Meine persönliche Sicht der Dinge

Vielen Abiturienten schauert es bei dem Gedanken an den Numerus Clausus und den hohen Zulassungsbedingungen für medizinische Studiengänge. Ich selbst erinnere mich an den hohen Druck, dem ich in der Oberstufe ausgesetzt war, um mir den Traum vom Medizinstudium verwirklichen können.

Ich halte es für sehr sinnvoll, ein Zulassungsverfahren zu konstruieren, welches nicht nur auf die Abiturnote zielt, sondern auch persönliche Fertigkeiten und Zusatzqualifikationen in Betracht zieht. Dabei finde ich allerdings, dass spezifische Eignungstests das Abitur nicht abwerten sollten. Für mich bringt die Abiturnote den Vorteil mit sich, dass sie keine Momentaufnahme von einem bestimmten Testtag ist, sondern sich über einen Zeitraum von 2-3 Jahren bildet. Eines der wichtigsten Fertigkeiten des Arztberufs ist sicherlich die Kommunikation mit dem Patienten, diese kommunikativen und sozialen Fertigkeiten sollten auch meiner Meinung einen größeren Stellenwert in der Bewerbung haben.

Das neue Gerichtsurteil fordert ein transparentes, faires Zulassungssystem für das Medizinstudium, allerdings wurde noch nicht genau festgelegt, wie diese Forderungen umzusetzen sind. Dabei haben die einzelnen Länder und Universitäten noch einiges an Spielraum. Es wird sich im Laufe des Jahres zeigen, wie auf das neue Gerichtsurteil reagiert wird. Zunächst einmal bedeutet die neue Umstellung viel Arbeit für die Universitäten. Bis zum Dezember 2019 soll allerdings feststehen, wie die neue Zulassung nun geregelt ist. Ich denke, dass es sicherlich weiter von großem Vorteil sein wird, eine gute Abiturnote vorzuweisen.

Ich schaue gespannt in die Zukunft und die Änderungen, die das neue Gerichtsurteil mit sich bringt. Ich hoffe, dass dadurch die Qualität der Bewerber und damit auch der Ärzte steigt.

Ist die ersehnte Bescheidung für den Studienplatz in Medizin nicht erfolgt, gibt es immer noch das Losverfahren. Die Note ist dann vollkommen irrelevant. Wer teilnehmen will, muss sich direkt bei den Hochschulen einschreiben. Aber Achtung: Auch hier gibt es Fristen. Für die Anmeldung zum Losverfahren hat jede Hochschule ihre eigenen Regeln. In der Trefferliste, die man auf eine entsprechende Suchanfrage hin erhält, findet man meist einen Link auf die Informationsseiten der jeweiligen Hochschule. Dort ist dann auch eine Beschreibung des für diese Hochschule gültigen Verfahrens zu finden.

Ob man im Losverfahren erfolgreich war, erfährt man direkt von den Hochschulen. Eine Rückmeldung erfolgt also nur, wenn das Losverfahren zu einem positiven Ergebnis geführt hat! Ablehnungsbescheide werden im Losverfahren nicht verschickt.

Was kann das Angebot “www.freie-studienplaetze.de“?

Dieses Web-Angebot ist eine gemeinschaftliche Aktion der in der Hochschulrektorenkonferenz zusammengeschlossenen Hochschulen und der Stiftung für Hochschulzulassung. Es wird von allen Bundesländern unterstützt. Über die Börse lassen sich bundesweit Studienangebote finden, für die es wenige Wochen vor Semesterbeginn noch freie Studienplätze gibt. Die Studienplatzbörse öffnet zum 1. September und hat mit Beginn der Vorlesungen ihre Aufgabe erledigt, so dass sie am 31. Oktober wieder schließt. Neben den Studienangeboten der bundesweiten Studienplatzbörse können auch frei gebliebene Studienplätze über das “Clearingverfahren” vergeben werden. Eine Übersicht der Studienfächer des Clearingverfahrens ist auf der Seite der Börse über einen Link zu finden. Die Hochschulen können allerdings unabhängig von den Clearingverfahren hochschuleigene Nachrück- und Losverfahren anbieten.