Für viele Abiturienten, die kein Spitzenabitur haben, stellt sich die Frage:

“Welche weiteren Qualifikationen erhöhen meine Chance auf einen Medizinstudienplatz?”

Immer wieder wird die Rettungssanitäterausbildung auf dem Weg ins Medizinstudium angesprochen, die an einigen Universitäten im Auswahlverfahren der Hochschulen positiv gewertet wird. Auch als Überbrückung der Wartezeit kann eine Ausbildung in Frage kommen, da während der Berufsausbildung gleichzeitig medizinisches Wissen und Wartesemester gesammelt werden können.

Im folgenden Artikel möchte ich Dir erklären, wie die Rettungssanitäterausbildung aufgebaut ist und welche Vorteile diese Ausbildung für die Bewerbung auf das Medizinstudium hat.

Unterschiede zwischen Notfallsanitäter, Rettungsassistent, Rettungssanitäter und Rettungshelfer

Abgesehen vom Notarzt, der im Rettungsdienst als ärztliches Rettungsdienstpersonal agiert, gibt es in Deutschland 3 Qualifikationen für Fachpersonal im nichtärztlichen Rettungsdienst. Deshalb zunächst eine kleine Einführung in die Nomenklatur, um die Unterschiede zwischen den Ausbildungen zu verdeutlichen:

Notfallsanitäter und RettungsassistentWird die Rettungssanitäterausbildung beim Medizinstudium angerechnet

Die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst hat der Notfallsanitäter. Die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter gibt es seit 2014 und ersetzt die des Rettungsassistenten. Vor 2014 war der Rettungsassistent mit einer zweijährigen Ausbildung der “ranghöchste” nichtärztliche Helfer.

Rettungssanitäterausbildung

Der Rettungssanitäter hat im Vergleich zum Notfallsanitäter eine kürzere Ausbildung und ist ihm daher untergestellt.

Um Rettungssanitäter zu werden muss man eine Rettungssanitäterausbildung mit insgesamt 520 Stunden absolvieren. Der Lehrgang beinhaltet anatomische und physiologische Grundlagen des menschlichen Körpers. Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz allerdings unterschiedlich definiert.

Den theoretischen Abschnitt kann man in Vollzeit, aber auch berufsbegleitend (z.B. an Wochenenden) absolvieren. Der Fokus der Lehre liegt auf notfallmedizinisch relevanten Krankheitsbildern und Therapien.

Die insgesamt 520 Stunden der Retungssanitäterausbildung unterteilen sich in 4 Abschnitte:

  1. Als erstes werden 160 Stunden theoretische Grundlagen gelernt. Dazu gehören Anatomie, Physiologie, Anästhesie, aber auch spezielle Fachgebiete wie die Pädiatrie und Psychiatrie. Zudem werden rechtliche Inhalte besprochen.
  2. Das klinische Praktikum im Bereich der Notfallambulanz, Intensivstation und Anästhesie umfasst weitere 160 Stunden. Hier werden vor allem praktische Fertigkeiten wie z.B. das Intubieren von Patienten, Gabe von Infusionen, Umgang mit Medikamenten und Patientenüberwachung und Dokumentation gelehrt.
  3. Weitere 160 Stunden werden auf der Rettungswache absolviert.
  4. Der letzte Abschnitt dauert 40 Stunden und beinhaltet eine abschließende Lehreinheit mit anschließender Prüfung mit einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil.

Der Rettungshelfer

Der Rettungshelfer ist eine bundesweit nicht einheitlich geregelte Qualifizierung für Personal im Krankentransport und Rettungsdienst. Die Ausbildung umfasst 320 Stunden und beinhaltet eine theoretische Ausbildung, ein Krankenhauspraktikum und ein Praktikum auf der Rettungswache. Der Rettungshelfer ist Teil der Rettungssanitäterausbildung.

Das Auswahlverfahren der Hochschulen

Welche Universitäten geben Boni für eine abgeschlossene Berufsausbildung?

Universität Dresden

In Dresden ist das Auswahlverfahren der Hochschule in zwei Stufen eingeteilt. Im ersten Teil wird für medizinisch relevante Berufe mit Abschluss ein Bonus von bis zu max. 100 Punktenvergeben. Für eine Ausbildung zum Notfallsanitäter (ehem. Rettungsassistenten) wird die volle Punktzahl angerechnet. Für eine Ausbildung zum Rettungssanitäter werden 10 Punkteangerechnet. Der in Stufe 1 erreichte Rangplatz ist für die Einladung für Stufe 2, dem persönlichen Auswahlverfahren, maßgeblich. Es qualifizieren sich die besten 300 Bewerber. Im Auswahlgespräch ist eine berufliche Vorkenntnis sicherlich ebenfalls von Vorteil.

Universität Erlangen-Nürnberg

Das Vorliegen einer abgeschlossenen Berufsausbildung bringt einen Bonus von 0,1 auf die Abitur-Durchschnittsnote. Unter die anerkannten Berufe fällt u.a. der Notfallsanitäter und Rettungsassistent.

Universität Freiburg

Eine abgeschlossene Berufsausbildung als Rettungsassistent und gegebenenfalls eine anschließende Berufstätigkeit verbessert die Abitur-Durchschnittsnote um 0,1 pro Halbjahr nachgewiesener Ausbildungsdauer. Höchstens kann die Note um 0,5 verbessert werden.

Universität Gießen

In Gießen werden 15% der Studienplätze an Bewerber mit Berufsabschluss vergeben. Zusätzlich zum Zulassungsantrag muss der erfolgreich absolvierte Abschluss einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung eingereicht werden, die in Regelausbildungszeit beendet wurde. Der Rettungsassistent wird dabei anerkannt.

Universität Göttingen

Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung kann in Göttingen die Abitur-Durchschnittsnote um 0,3 verbessert werden. Dabei zählt der Rettungsassistent als anerkannte Ausbildung.

Universität Greifswald

In Greifswald besteht das Auswahlverfahren der Hochschule aus einem Punktesystem. In diesem Punktesystem wird für berufspraktische Erfahrungen auf medizinischem Gebiet je nach Dauer der beruflichen Erfahrung Punkte vergeben. Eine berufspraktische Erfahrung von 3 bis 9 Monaten bringt 9 Punkte6 bis 9 Monate Erfahrung entsprechen 18 Punkten. Wer mehr als 9 Monate Berufserfahrung mit sich bringt, bekommt 35 Punkte angerechnet. Zum Vergleich: Eine Naturwissenschaft auf Leistungskurs-Niveau bringt nur 10 Punkte. Aus grundlegendem Niveau sogar nur 5 Punkte.

Universität Halle-Wittenberg

Durch eine abgeschlossene Berufsausbildung als Rettungsassistent wird in Hallo-Wittenberg die Abitur-Durchschnittsnote um 0,1 verbessert.

Universität Heidelberg

Das Auswahlverfahren in Heidelberg beruht auf folgenden drei Kriterien:

  1. Abiturpunktzahl
  2. Leistungen im Test für Medizinische Studiengänge (TMS)
  3. Bonuspunkte (z.B. Berufsausbildung, Freiwilligendienst etc.)

Die Bonuspunkte werden mit einem Gewicht von 10% gewichtet. Für eine abgeschlosseneAusbildung als Notfallsanitäter oder Rettungsassistent werden 3 Punkte vergeben. Ein weiterer Punkt wird für eine Berufstätigkeit von über einem Jahr vergeben. Es gibt keinen Bonus für die Ausbildung zum Rettungssanitäter.

Universität Heidelberg/Mannheim

Das Auswahlverfahren in Mannheim gleicht dem in Heidelberg.

Universität Jena

In Jena besteht das Auswahlverfahren der Hochschule aus einem Punktesystem. Für eine Ausbildung als Notfallsanitäter/Rettungsassistent werden 30 Punkte vergeben.

Universität Kiel

Bei Nachweis des Abschlusses zum Rettungsassistenten wird in Kiel die Abitur-Durchschnittsnote um 0,3 verbessert.

Universität Leipzig

In Leipzig werden 90% der Studienplätze im Auswahlverfahren der Hochschulen über die Abitur-Durchschnittsnote inklusive Einberechnung des TMS-Ergebnisses vergeben. Die restlichen 10% werden zwar ebenfalls nach der Abitur-Durchschnittsnote vergeben, allerdings unter Berücksichtigung vorliegender Berufsausbildungen. Dabei wird der Rettungsassistent anerkannt.

Universität Lübeck

Alle Studienplätze, die in Lübeck über das Auswahlverfahren der Hochschulen vergeben werden, werden über ein Auswahlgespräch vergeben. Nur 50% der eingeladenen Bewerber werden letztendlich genommen. Für die Einladung zum Auswahlgespräch sind die Abitur-Durchschnittsnote, abgeschlossene Berufsausbildung und Teilnahme am Test für Medizinische Studiengänge ausschlaggebend. Für eine abgeschlossene Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter wird die Abiturnote um 0,4 aufgewertet.

Universität Mainz

In Mainz besteht das Auswahlverfahren der Hochschule aus der Abitur-Durchschnittsnote, einem Test und einer gegebenenfalls vorliegenden Berufsausbildung. Für eine abgeschlossene Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter wird die Abiturnote um 0,4aufgebessert.

Universität Marburg

In Marburg kann man die Abiturnote durch eine Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter um 0,3 verbessern.

Universität München

Als Rettungsassistent kann man seine Abiturnote in München um 0,3 verbessern.

Universität Oldenburg

An der Universität Oldenburg wird durch eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildungdie Abitur-Durchschnittsnote um ganze 0,5 verbessert. Zu den anerkannten Ausbildungsberufen gehört der Rettungsassistent und der Notfallsanitäter.

Universität Rostock

In Rostock wird durch eine Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter die Abitur-Durchschnittsnote um 0,3 verbessert.

Universität Saarland

Die Abitur-Durchschnittsnote kann im Saarland um 0,2 verbessert werden beim vorliegen einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter.

Universität Tübingen

In Tübingen beträgt die Notenverbesserung durch den Berufsbonus 0,1 für jedes halbe Jahr Berufsausbildung oder Berufstätigkeit bis zur Bewerbungsfrist. Dabei muss es sich um einen Ausbildungsberuf mit einer zweijährigen Regelausbildungszeit handeln. Rettungsassistent und Notfallsanitäter werden anerkannt, der Rettungssanitäter ist jedoch ausgenommen. Insgesamt darf die Durchschnittsnote um maximal 0,5 verbessert werden.

Universität Ulm

In Ulm werden 50% der Studienplätze, die über das Auswahlverfahren der Hochschule vergeben werden nach Abiturnote und Beruf vergeben. Eine abgeschlossene Berufsausbildungbringt einen Bonus von 0,3. Für eine medizinische Berufstätigkeit von mindestens 2 Jahrenwird eine Verbesserung des Abiturs um 0,2 angerechnet. Sogar für Praktika, die allerdings mindestens 6 zusammenhängende Monate lang sein müssen, wird ein Bonus von 0,1angerechnet. Insgesamt darf maximal ein Bonus von 0,3 Notenpunkten geltend gemacht werden.

Universität Würzburg

In Würzburg wird die Durchschnittsnote um 0,2 aufgebessert, bei vorliegen einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Zu den anerkannten Berufen gehört der Rettungsassistent und Notfallsanitäter.

 

Studieren ohne Abitur – Berufliche Qualifikation

Wer kein Abitur hat aber eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann, hat die Möglichkeit über eine spezielle Quote, der sogenannten Quote für “beruflich Qualifizierte” zum Medizinstudium zugelassen zu werden.

Die Grundvoraussetzung ist die Mittlere Reife und eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem medizinischen Umfeld. Die Regelausbildungsdauer muss dabei mindestens 2 Jahre dauern. Die Ausbildung muss mit einer Abschlussnote von mindestens 2,5 absolviert worden sein. Zusätzlich werden 3 Jahre Berufserfahrung verlangt. Durch diese Kriterien erhält man eine fachgebundene Studienberechtigung auf das Medizinstudium.

Folgende Ausbildungen kommen unter anderem für diesen Weg ins Medizinstudium in Frage:

  • Arzthelfer
  • Medizinischer Fachangestellter
  • Notfallsanitäter
  • Rettungsassistent
  • Pflegekraft
  • Physio -oder Ergotherapeut
  • Gesundheits- und Krankenpfleger

Auch Personen mit einer bestandenen Meisterprüfung, Fachwirte, Personen mit Fachschulabschluss (Techniker) haben eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung und können sich somit auch für ein Medizinstudium bewerben.

Sobald man das Abitur gemacht hat, gibt es leider nicht mehr die Möglichkeit über die Quote der “beruflich Qualifizierten” in das Medizinstudium aufgenommen zu werden.

Da sich die Inhalte der ersten Semester an vielen Universitäten am Wissen der Abiturgrundkurse orientieren, ist es vor allem im Medizinstudium notwendig Fächer wie Biologie, Chemie und Physik vorzubereiten. Im Studium werden diese Grundlagen vorausgesetzt.

Das Fazit

Ausbildung vor MedizinstudiumEine Ausbildung zum Notfallsanitäter oder Rettungsassistenten bringt zur Bewerbung für das Medizinstudium an vielen Universitäten einen großen Vorteil. Es werden für abgeschlossene Berufsausbildungen Boni verteilt, in Form von Pluspunkten im Punktesystem der Hochschule oder in Form von einer Ausbesserung des Abiturs um einen bestimmten Wert. Vor allem an der Universität Oldenburg wird eine Ausbildung hoch angerechnet. Dort kann man mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung eine Verbesserung des Abiturs um 0,5 erreichen.

Eine Rettungssanitäterausbildung spielt im Bewerbungsverfahren vor allem eine Rolle, wenn das Auswahlverfahren der Hochschule aus einem Auswahlgespräch besteht. Wer eine Ausbildung zum Rettungssanitäter vorweisen kann, zeigt damit sein Engagement und Interesse am Fach.

Für Bewerber die kein Abitur haben, gibt es die Möglichkeit die Hochschulzugangsberechtigung durch eine Ausbildung zum Notfallsanitäter oder Rettungsassistenten zu erlangen. Dabei muss der Bewerber einige Jahre Berufserfahrung vorweisen können. Auf diese Weise können sich Bewerber ohne Abitur den Weg ins Medizinstudium ermöglichen.

Lisa-Marie ist 24 Jahre alt und studiert Humanmedizin im 9. Semester an der Charité Berlin. Neben ihrem Medizinstudium arbeitet sie als freie Bloggerin für Prometheus und ist Expertin auf den Gebieten Medizinertests, Modell- und Regelstudiengängen sowie Bewerbungen aus dem Ausland.